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Vorbemerkung zu Kapitel 1
Winter 1942. Russischer Winter.
Im Raum von Stalingrad wurde innerhalb von Wochen eine ganze deutsche Armee aufgerieben und vernichtet. Es war die 6. Armee des Generaloberst Paulus, dazu Teile der 4. Panzerarmee. 22 Divisionen. 284 000 Mann. In der eroberten Stadt zählten Stalins Gräberkommandos 146 000 Leichen: Verhungerte, Erfrorene, Gefallene. Den Marsch in die Gefangenschaft traten noch 90000 an. ^ ,
Unter den Überlebenden war der Armeeführer, der in letzter Minute zum Ge- ' ^ i' | .j
neralfeldmarschall beförderte Paulus, waren 22 Generale und mehr als 2000 , •,! 1 ij'"
Offiziere. V/ '
Vielen von ihnen hatte sich im Kessel von Stalingrad, angesichts ihres zau- ' ,, 'j ' ; •
dernden Oberbefehlshabers, der sich Hitlers unmenschlichen Durchhaltebe- I { f j ; ' •
fehlen immer wieder beugte, die Problematik soldatischer Gehorsamspflicht ' ' V I ,'
mit ihrer ganzen Schärfe enthüllt. Sie litten darunter, daß Hitler ihre Pflichter- ' i 1' i' .
füllung und Treue zu einer gewissenlosen Kriegs- und Staatsführung miß- / ' . '
brauchte. Der Untergang an der Wolga beschwor Ahnungen einer noch große- i ¦ ! ji'-' j i, ,
ren Katastrophe: des Untergangs Deutschlands. 'i ( ; '. ',/
Aus dieser Situation heraus wuchs die Bereitschaft zum Widerstand: »Für !'¦¦ ^
Deutschland, gegen Hitler!« ' ,' ' , i'iji
Am 13. Juli 1943 kam es in Krasnogorsk bei Moskau zur Gründung des Na- ) ' ' '
tionalkomitees Freies Deutschland. Zu seinen Vorbereitern gehörten vor . ' ' j'
allem deutsche Emigranten, die seit 1933 im sowjetrussischen Asyl lebten, wie i ('¦'',
die ehemaligen Reichstagsabgeordneten Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, ¦ i
dieSchriftstellerErichWeinertundJohannesR. Becher, aber auch schon eine ' , '
Gruppe junger Kriegsgefangener, unter ihnen der Fliegerleutnant und Bis- ( 'I . ^
marck-Urenkel Heinrich Graf Einsiedel.
Als Emblem wählte man die Farben des deutschen Kaiserreiches: Schwarz-weiß-rot.
Die Impulse zu dieser Gründung waren von Stalin selbst ausgegangen. Im Mai 1943 hatte er die Komintern, die Kommunistische Internationale, aufgelöst, um nunmehr alle antifaschistischen Kräfte zum Widerstand gegen Hitler auf- .
zurufen. Dazu gehörte vor allem: die deutschen Armeen in Rußland zur Ein- ,
Stellung aller Kampfhandlungen zu bewegen.
Aber noch zögerten die meisten Offiziere. Sie hatten Bedenken gegen einen Widerstand vom »feindlichen Boden« aus und mißtrauten trotz des Verzichts auf marxistische Parolen den verkündeten Absichten. Auch konnten sie sich nicht zur Teilnahme an einer Organisation bereitfinden, die nach ihrer Mei- .
nung zu ungelenkter Zersetzung der deutschen Truppen, zum unkontrollier- '
ten Überlaufen aufrief. Doch ohne die Mitwirkung der Generale und Offizie- '
re, deren Namen bei der Truppe und in der Heimat zählten, war das Nationalkomitee von vornherein zur Wirkungslosigkeit verurteilt. ¦ i Die Russen reagierten schnell. Sie regten die Bildung einer Initiativgruppe an, , ' ' . ; . die zusätzlich zum Nationalkomitee einen Offiziersbund vorbereiten sollte. , ' / ' t ' Am 16. August 1943 siedelte eine Gruppe von Offizieren, deren Werberinden
verschiedenen Gefangenenlagern raschen Zulauf fanden, mit dem National- ' , ' ', |
komitee nach Lunjowo bei Moskau über. ' i.
Noch immer aber fehlten die Generale der Stalingradarmee. Erneut griffen '! ' H
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