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1. KAPITEL
DER EGOISMUS — FEIND DES INNEREN FRIEDENS
Eine psychologische Anregung, um den Seelenfrieden zu erringen: Prahle nie! Sprich nicht von dir! Dränge dich nicht bei Tisch oder im Theater auf den ersten Platz! Mißbrauche keinen Mensdien zu deinem eigenen Vorteil! Benimm dich nidit als Herr über andere, als ob du besser wärest als sie!
Diese Formulierungen drücken in volkstümlicher Weise die Tugend der Demut aus. Sie ist weniger Selbsterniedrigung vor anderen als Anerkennung eigener Nichtigkeit im Vergleich zu dem, was wir sein sollten. Die moderne Tendenz will das Ich behaupten, die Eigengröße erhöhen, sich im Sturm über andere hinwegsetzen. Dabei hat man ein Ziel: das eigene Selbst muß voll zur Geltung kommen. Dieses Streben hat sicherlich kein Glüdc gebracht. Je mehr sich ein Ich behauptet, desto erbärmlicher wird es.
Eine Demut, die anderen den Vorrang läßt, ist heute nicht volkstümlich. Kommt dies nicht daher, daß die Mensdien die Größe Gottes vergessen haben? Wir wollen unser eigenes unbedeutendes Ich ins Unendliche steigern und haben der Unendlidi-keit Gottes den Schein des ganz Alltäglichen gegeben. Je weniger wir von einem Sein erahnen, desto unbedeutsamer kommt es uns vor. Unser Widerwille gegen eine Persönlichkeit nimmt oft in dem Maße ab, je besser wir sie kennen lernen. Ein Student, der eben erst mit seinem akademischen Grad die Hochsdiule verläßt, ist in der Regel nicht so bescheiden wie in späterer Zeit. Mit adit-zehn Jahren glaubte er alles zu wissen. Mit achtundzwanzig spürt er, wie wenig er angesichts einer noch gründlicher zu beherrsdien-den medizinischen Wissenschaft weiß. Ähnlich steht es mit unserem Verhältnis zu Gott. Weil wir nicht beten, nicht betrachten oder Ihn lieben, werden wir eitel und stolz. Lernen wir Ihn aber mehr kennen, dann empfinden wir zutiefst unsere Abhängigkeit. Unsere unechte Selbständigkeit wird dann bedeutend kleiner. Stolz ist