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VORBEMERKUNG
Dieses Buch ist keine Literaturgeschichte, aber es ist ein Buch über die deutsche Literatur: von der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas bis zu Bechers Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik. Es wendet sich besonders an literarisch interessierte junge Leser, aber auch an alle anderen, die einen Zugang zu der deutschen Literatur zweier Jahrtausende suchen.
Die Absicht war, einen ersten Eindruck zu geben von der engen Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Literatur, wie sie sich in den verschiedenen Gesellschaftsformationen widerspiegelt. Dabei haben wir uns auf historische Kreuzungspunkte, Kreuzungspunkte der Klassenkämpfe konzentriert, auf solche Dichter und Werke, die diese Wechselwirkung unmittelbar und deutlich vor Augen führen.
Es wird nicht nur über Literatur gesprochen, die Literatur spricht auch selbst; im Text finden sich entsprechend viele Beispiele.
Lenin schrieb einmal, der Marxismus habe „seine weltgeschichtliche Bedeutung als Ideologie des revolutionären Proletariats" dadurch erlangt, „daß er die wertvollsten Errungenschaften des bürgerlichen Zeitalters keineswegs ablehnte, sondern im Gegenteil sich alles Wertvolle der mehr als zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen Denkens und der menschlichen Kultur aneignete und es verarbeitete."
Wenn dieses Buch seinen jugendlichen Lesern die Aneignung der wertvollsten Schätze der zweitausendjährigen deutschen Literatur ein wenig erleichtert und ihnen den Weg zu dieser Literatur finden hilft, dann hat es seinen Zweck erfüllt.