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VORWORT
Die Sammlung „Weisheiten der Welt" wurzelt im deutschen Humanismus. Goethes Wort: „Ein edler Mensch kann einem engen Kreise nicht seine Bildung danken, Vaterland und Welt muß auf ihn wirken", kann als Keim des Werkes angesehen werden. Allerdings bezog es sich nur auf Aristokraten des Geistes, die sich von jeher als übervölkische Gemeinschaft empfanden.
Dem Glauben und Wollen unserer Zeit verlieh der indische Denker und Staatsmann Sawarpalli Radhakrishnan Ausdruck, als er schrieb: „Ein neuer Humanismus zieht am Horizont herauf. Doch diesmal umschließt er die Menschen in ihrer Gesamtheit. Ein intimes Wissen der Völker voneinander beginnt das Weltbewußtsein zu bereichern. Wir können der Tatsache, Glieder einer Weltgemeinschaft zu sein, nicht mehr entfliehen."
Dieser Idee eines umfassenden Humanismus möchten wir zu unserm bescheidenen Teile dienen; denn mehr als je tut unserm Volke heute Weltoffenheit not.
Wer einen botanischen Garten durchwandert, erwartet nicht, alle Charakterpflanzen einer Region vorzufinden. Einige eigentümliche Vertreter genügen ihm. Und wie er sich auch über ein unscheinbares Pflänzchen freuen wird, das im Schatten der Großen gedeiht, so möge sich der Leser nicht nur an Worten erbauen, die nach Dschuang Dsi „wie Becher mit dem Abglanz des Ewigen angefüllt sind". Auch ein scheinbar hausbackener Kalenderspruch kann wertvoll sein, namentlich dann, wenn er uns zum Widerspruch reizt. Jeder Teil der Sammlung ist zeitlich geordnet. Bei den Zitaten ist die Quelle und die Entstehungszeit oder das Erscheinungsjahr angegeben. Das Inhaltsverzeichnis nennt die Autoren in alphabetischer Folge. Die Lebensdaten beschränken sich auf kurze Hinweise. Besondere Sorgfalt wurde dem Stichwortverzeichnis zuteil, das das Wiederfinden eines Ausspruchs erleichtern und Längs- und Querschnitte ermöglichen soll. Das Quellenverzeichnis des i. Bandes nennt nur Werke, die dem Urheberschutz unterliegen. Verlag und Herausgeber schulden den hier genannten Verlegern und Verfassern besonderen Dank: Ihr großzügiges Entgegenkommen erlaubte es, führende Schriftsteller unserer Zeit aufzunehmen. Alfred Grunow