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Vorwort
Polen ist bisher das einzige Land unter kommunistischer Diktatur, das seit einem Vierteljahrhundert immer wieder durch existentielle Krisen des Systems erschüttert wird. Das hat viele Gründe. Eine der Hauptursachen liegt wohl darin, dass für ein Volk mit einer langen parlamentarischen Tradition, mit einem Individualismus, wie er wohl unter den Europäern nirgends so ausgeprägt auftritt, und mit einer nach dem Okzident ausgerichteten Kultur die aus dem Osten gekommene politische und soziale Ordnung unakzeptabel ist. Polen und der Kommunismus stehen zueinander in einem ähnlichen Verhältnis wie Feuer und Wasser. Vielleicht wäre es anders, wenn diese Doktrin aus Frankreich oder Italien gekommen wäre. Dass sie aus dem despotischen Russland nach Polen getragen wurde, bildet für ihre Rezeption auf polnischem Boden den grössten Nachteil, denn die russifizierte Form des Marxismus und seines Gesellschaftsmodells ist mit den traditionellen und den gegenwärtigen Vorstellungen der Polen über eine ihnen adäquate Ordnung nicht vereinbar.
Der in Vergangenheit und Gegenwart verankerte polnisch-russische Gegensatz schuf eine kaum überbrückbare Barriere. Die Schuld liegt eher bei den Russen, die seit den Anfängen ihrer Geschichte als das Moskowiter Fürstentum keinerlei gleichberechtigte Partner an den Peripherien vertragen können. Schon deshalb ist es kein Zufall, dass Polen am häufigsten von den zyklischen Krisen des kommunistischen Herrschaftssystems befallen wird. Aber es muss auch die Erbsünde der polnischen Kommunisten erwähnt werden, die einst für die Einverleibung ihrer Heimat in den sowjetischen Staatsverband eintraten und später, nach der Niederlage der Roten Armee bei Warschau im Jahre 1920, in allen Resolutionen für radikale Grenzrevisionen zugunsten Deutschlands und der Sowjetunion plädierten. Die Übernahme einer nationalistischen Ideologie nach der Neugründung der von Stalin 1938 aufgelösten Partei vermochte diesen Schuldkomplex nicht mehr zu beseitigen.
Der Stabilisierung der kommunistischen Machtstrukturen wirken bis zum heutigen Tag die aus der Vorkriegszeit und auch aus dem Zweiten Weltkrieg überlieferten Hoffnungen und Erwartungen der polnischen Nation entgegen, die sich als erstes Opfer des Stalin-Hitler-Paktes und als Verbündete der alliierten Mächte nicht mit einem Satellitenstatus abfinden kann.
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