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Stille Qeliebte, idh mufi dodh bitien... Noch vor einer Stunde sah ich vor den Auslagen eines Schuhgescháftes ein Mádchen stehen, eine Brasilianerin; ein nettes Mádchen. Dafi es braun aussah und mit Gewalt seinen Wuschelkopf bándigen mufite, hat in dieser wunderbaren Stadt nichts zu sagen. Wir sind in Rio de Janeiro, in einem Lande ohne Rassenhafi. Ich habe nie fremde Menschen hassen können, und dieses Mádchen gleich gar nicht. Es roch irgendwie nach Urwald, nach Orchideen, Hibiskusblüten - und Knoblauch. Verzeih mir, braunes Kind, ich habe in deine Augen gesehen und fand sie fremdlándisch schön. Du sahst reizend aus in deinem leichten, bunten Sommerkleid, aber dafi du die Kappen deiner Schuhe einfach heruntertrittst, um bequemer laufen zu können...; mein liebes Kind, ich mufi doch bitten! Auch das andere Mádchen dort redits an der Ecke ist braun, schlank und nett, aber es hat eine Stimme für drei. Und dieser kleine Negerjunge tut mir irgendwie leid, wie er mitten auf dem Bürgersteig auf einem Schemel sitzt und mit hundetreuen Augen Zuckerwerk anbietet. Es ist Nacht, kleiner Bursche, und dein Freund von nebenan hat sich zur Ruhe begeben. Wie ein Lumpenbündel liegt er an der Mauer eines Hochhauses und schláft den Schlaf der Unschuldigen und Gerechten. Wie viele Wolkenkratzer hat diese Stadt! Und ist denn nirgendwo Platz für ein armseliges Menschenkind? Verzeih mir, grofie Geliebte Rio; es geht mich, den Fremden, nichts an. Wie oft habe ich an dich gedadit, Rio, wenn der Polarsturm mir um die Ohren brauste, wenn alles ringsumher trist aussah und die Ferne lockte. Du kamst mir wie eine verheifiungsvolle Blume vor, die nur für Auserwáhlte blüht. Dann sah ich dich in einem Zaubergarten, betörend schön, mit abertausend Lichtern lockend, aber ohne Duft. Es stank vielmehr aus allén Hafenwinkeln. Bei der Einfahrt in den Hafen von Rio glaubte ich noch, die schönste Stadt der Welt vor mir zu habén. So hatte ich es in Büchern gelesen. Aber auf Bücher kann man sich nicht immer verlassen. Die Lage Rio de Janeiros kann gar nicht glücklicher sein. Sie ist wahrscheinlich die práchtigste der Welt. Das Schiff fuhr an der Gebirgsküste Brasiliens entlang südwárts. Kein Haus, kein menschliches Wesen war zu sehen, nur grüne Hánge, kahle Steinwánde, davor ein schmaler Sandstreifen, dahinter noch höheres Gebirge. Diese Szenerie ist für jeden Bergfreund eine Augenweide. Bis endlich der Zuckerhut auftauchte, zuerst der falsche, dann der richtige. Auf kleinen Inseln scheint die Natúr einen Miniatururwald angelegt zu habén. Hohe Palmen ragén claraus empor. In mir stieg der kindische Wunsch auf, eine solche Insel zu besitzen. Jede einzelne sah wie ein verwunschenes Stück Traumland aus. Und drüben der Zuckerhut, mit steilen Gneiswánden aus dem Meere steigend, aus der áltesten Zeitepoche unserer Erde stammend. Dahinter der 700 Meter hohe 7