Bővebb ismertető
Jede Begegnung mit Werken der Kunst erweckt zunachst eine Regung des reinen Gefühls. Die Schönheit einer Blume oder eixier Landschaft empfin-den wir, auch ohne sie botanisch benennen oder geographisch einordnen zu können. Auch die Fáhigkeit des künstlerischen Erlebnisses ist an sich un-abhángig von Wissen und Bildung. Ein Kunstwerk ergreift, erschüttert, wühlt auf, es besánftigt oder erfreut, es lafit kühl oder kait. Es wirkt nach seinen eigenen, inneren Gesetzen. Je tiefer und eindrucksvoller es aber dén Menschen anspricht, desto lebhafter wird der Wunsch, nun auch zu wissen, wer es geschaffen hat, woher es stammt, was es darstellt und welchen Sinn es erfüllen solL
Diesem Wunsche will das vorliegende Buch entsprechen. Es will nicht das künstlerische Erlebnis ersetzen, sondern es ergánzen. Es beschaftigt sich nicht so sehr mit dem einzelnen Kunstwerk, stellt keine theoretischen Grund-satze oder Regein auf, falit keine Urteile, sondern geht von der augen-falligen Tatsache aus, dafi bei bestimmten Völkern zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Gemeinsamkeit von Kunstformen festzustellen ist. Diese Ge-meinsamkeit, die wir „Stíl" nennen, ist zumeist áufierlich an einer Reihe deutlich unterschiedener Merkmale zu erkennen. So verwendet z. B. der romanische Stil vornehmlich den Rundbogen, das Würfelkapitell, wáhrend für die Gotik etwa der Spitzbogen, das Pfeilerbündel, die Kreuzblume be-zeichnend sind und der Barock die gedrehte Saulé, den kurvenreichen Auf-bau bevorzugt.
Doch diese groben Unterscheidungen erweisen sich bei naherer Betrachtung nicht immer als ausreichend, háufig sogar als irreführend. Denn ein Stil ist gleichsam die Sprache, deren der Künstler sich bedient, um seine Ge-danken, seine Gefühle, seine Tráume, seinen Glauben auszudrücken und anderen verstándlich zu machen. Nun ist zwar jeder Mensch, der sich mit-teilen will, an den Wortschatz seiner Sprache und an ihre Regein gebun-den, aber er hat doch die Freiheit, durch Wortwahl und Wortstellung, durch Satzbau und Satzgliederung seine eigene Persönlichkeit zur Geltung zu bringen; er kann auf altertümliche Formen der eigenen Sprache zu-rückgreifen, kann dialektische Wendungen gebrauchen, kann sprachschöpfe-risch sein. In einer durchaus áhnlichen Lage befindet sich der Künstler gegenüber dem Stil seiner Zeit und seines Volkes. Ein bestimmter Vorrat von Formen bietet sich ihm dar, die er wohl im einzelnen durch andere ergánzen oder zu neuen weiterbilden, aber nicht in ihrer Gesamtheit ver-werfen kann.