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WELLE AUF WELLEQSilberhell schimmert das Wasser der Bucht; der Himmel, der in den zarten Farben des Abendsleuchtet, wird blasser und blasser. Vor den dunklen Wäldern, die den Ufersaum begrenzen,schwimmen die rostbraunen Segel der Koggen. Behäbig, altertümlich und gemessen ziehen dieSchiffe ohne Laut dem Blick vorbei. In den Bäumen des Parkes schweigen die Vögel. Es sind jeneMinuten, jene seltenen Minuten eines späten sommerlichen Tages, der sich voll von Sonnenwärmegetrunken hat und ohne Bewegung in die Nacht hinüberschläft. Traum der Ostseelandschaft, dasich die verspielten Wellen beruhigen, die Konturen der Küste für Augenblicke scharf hervor-treten und in den alten Bäumen der Wind verstummt! Ein dichter, feiner Hauch, süß und herbzugleich, der Duft des strandnahen Meeres und der harzschweren Kiefern, durchdringt die Luft.Sogar die lustigen und lauten Besucher der Küste werden leiser. Die Stimmen der Menschen, diedas Geraune der Wellen, das Tosen des Windes und das grollende Brummein der fernen Ge-witter am Tage zu übertönen suchten, klingen sanfter. Da sitzen sie zu Tausenden unter demalten Schloß zu Ralswiek auf Rügen in der Nähe des Ufers und schauen hinaus auf die Bucht, wodie Koggen herangleiten, Schiffe, von denen man meinen mag, daß sie von den Stürmen allerOzeane geschüttelt wurden. Doch die Idylle, genossen von den Erwartungsvollen, die vor sich dasBild der Landschaft wie im Guckkasten sehen, währt nur so lange, wie die letzte pastellfarbeneEpisode des Sonnentages dauert. Im gleichen Augenblick, da die Dämmerung die scharfen Um-risse der Hügel und Wälder auflöst, zerstiebt jählings die Stille, die scheinbar alle Bewegung fürkurze Zeit aufhob.Aus dem großen Tor zur Rechten brechen stolze Reiter auf galoppierenden Pferden hervor;ärmlich gekleidete Menschen einer längst versunkenen Zeit versammeln sich am Ufer, und dieStimme eines Mädchens gellt empor. Den sie dort in den Stock gebunden haben, jenen kräftigenjungen Mann, auf den erbarmungslos die Peitschen der Fronknechte niedersausen, der ist es, umden das bunte, erregende Spiel kreist, das nun anhebt und die Tausende für Stunden in Bannschlägt: Klaus Störtebeker!