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Welt im Wort 1 [antikvár]

Welt im Wort 1 [antikvár]

 
ELTERNHAUS UND FAMILIE Wie ich dem lieben Herrgott Peter Rosegger mein Sonntagsjöppel schenkte In der Kirche des Alpendorfes Ratten steht Hnks am Hochaltar eine fast lebensgroße Reiterstatue. Der Reiter auf dem Pferde ist ein stolzer Kriegsmann mit Helm und Busch und einem kohlschwarzen Schnurrbärtchen. Er hat das breite, funkelnde Schwert gezogen und schneidet mit ihm seinen Mantel entzwei. Zu Füßen des sich bäumenden Rosses kauert eine Bettlergestalt in Lumpen. Als ich noch so ein nichtiger Knirps war, wie er einem ordentlichen...
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ELTERNHAUS UND FAMILIE Wie ich dem lieben Herrgott Peter Rosegger mein Sonntagsjöppel schenkte In der Kirche des Alpendorfes Ratten steht Hnks am Hochaltar eine fast lebensgroße Reiterstatue. Der Reiter auf dem Pferde ist ein stolzer Kriegsmann mit Helm und Busch und einem kohlschwarzen Schnurrbärtchen. Er hat das breite, funkelnde Schwert gezogen und schneidet mit ihm seinen Mantel entzwei. Zu Füßen des sich bäumenden Rosses kauert eine Bettlergestalt in Lumpen. Als ich noch so ein nichtiger Knirps war, wie er einem ordentlichen Menschen kaum zum Hosensack emporgeht, führte mich meine Mutter gern in diese Kirche. In der Nähe der Kirche steht eine Marienkapelle, die sehr gnadenvoll ist und in welcher meine Mutter gern betete. Als oft kein Mensch sonst mehr in der Kapelle war und vom Turm schon die Mittagsglocke in den heißen Sommersonntag hinausklang, kniete die Mutter immer noch in einem der Stühle und klagte Marien ihr Anliegen. Die „Liebe Frau" saß auf dem Altare, legte die Hand in den Schoß und bewegte weder den Kopf noch die Augen noch die Hände. Ich hielt mich lieber in der großen Kirche auf und sah den schönen Reiter an. Und einmal, als wir auf dem Wege nach Hause waren und mich die Mutter an der Hand führte und ich immer drei Schritte machen mußte, sooft sie einen tat, warf ich meinen kleinen Kopf auf zu ihrem guten Angesichte und fragte: „Zuweg^ steht denn der Reiter allfort auf der Wand oben, und zuweg reitet er nicht zum Fenster hinaus auf die Gasse?" Da antwortete die Mutter: „Weil du so kindische Fragen tust und weil es nur ein Bildnis ist, das Bildnis des heiligen Martin, der, ein Soldat, ein sehr guttätiger, frommer Mann gewesen und jetzt im Himmel ist." „Und ist das Roß auch im Himmel?" fragte ich. „Sobald wir zu einem rechten Platz kommen, wo wir rasten können, so will ich dir vom heiligen Martin was erzählen", sagte die Mutter und leitete mich weiter, und ich hüpfte neben ihr her. Da wartete ich schon sehr schwer auf das Rasten, und in einem fort rief ich: „Mutter, da ist ein rechter Platz!" Erst als wir in den schattigen Wald hineinkamen, wo ein platter, moosiger Stein lag, fand sie's gut genug; da setzten wir uns nieder. Die Mutter band das Kopftuch fester und war still, als habe sie vergessen, was sie versprochen. Ich starrte ihr fort und fort auf den Mund, dann guckte ich wieder zwischen den Bäumen hin, und mir war ein paarmal, als hätte ich durch das Gehölz den schönen Reitersmann reiten gesehen. „Ja, leicht wohl, mein Bübel", begann meine Mutter plötzlich, „allzeit soll man den Armen Hilfe reichen um Gottes willen. Aber so, wie der Martin gewesen, traben heutzutag' nicht viel Herrenleut' umher auf hohem Roß. ' weswegen

Termékadatok

Cím: Welt im Wort 1 [antikvár]
Kiadó: Österreichischer Bundesverlag
Kötés: Varrott papírkötés
ISBN: 3215018004
Méret: 160 mm x 240 mm
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