Bővebb ismertető
VERMÄCHTNISAnfang Februar 1946 rief mich mein Vater nach unseremLandsitz in Altenberg an der Donau nächst Wien. Es war einerjener hoffnungslosen, bleigrauen Wintertage, in denen man anallem und jedem verzweifeln möchte.Lorenz saß in seinem Lehnstuhl, wie in den letzten Wochenimmer häufiger. Er stand damals kurz vor seinem 92. Geburts-tag. Aber was war das für ein Zweiundneunziger! Schlankund groß, mit blitzblauen Augen, wehendem weißem Haupt-und Barthaar, mit einem Gebiß, aus dem nur zwei Zähnefehlten, ein Mann mit lebendigster Gebärdensprache, tempera-mentvoll, unerbittlich logisch im Denken und Reden wahr-haftig nicht das, was man sich in bezug auf körperliche undgeistige Verfassung im allgemeinen von einem Zweiundneunzig-jährigen erwartet.Er blitzte mich mit seinen klaren Augen an und sagte inruhigem Gesprächston:Albert, es ist so weit, ich werde jetzt sterben bitte, gib*dir keine Mühe mit lächerlichen Trostesphrasen, zwischen unsist doch so etwas überflüssig, nicht wahr?"Auf meine resignierte Gebärde setzte er fort:Na also! Den Hunderter zu erreichen, war eine Weile einesportliche Idee von mir, aber schließlich habe ich lange genuggelebt, ich darf mich nicht beklagen. Alle meine Altersgenossensind längst tot, mein Leben war erfolgreich und glücklich aber jetzt ist es Schluß, und gut so. 92 Jahre was will ichnoch? Jetzt weiß ich auch schon, wo der alte Freund mit seiner