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Ich wär Goethes dickere Hälfte
Christiane von Goethe im Vorzimmer der verwitweten Oberstallmeisterin Charlotte von Stein
Die Frau verwitwete Oberstallmeisterin empfängt nicht? Sie fohlt sich nicht? Auch recht. Ich kann warten. Vielleicht fohlt sie sich demnächst wieder? Ich kann auch Platz nehmen. Vielleicht müssen Sie Ihren Salon mal verlassen und kommen durchs Vorzimmer, und da sitzt dann die ehemalige Vulpius. An der kommt man nun nicht mehr vorbei, Madame von Stein, auch Sie nicht. Soll ich lauter sprechen, damit Sie mich verstehen? Oder halten Sie sich die Ohren zu, weil ich ordinär rede? Thüringisch! Das tun Sie auch, nur gestelzter. Ich passe nicht in Ihre Sessel, ich bin zu breit. Hier darf man sich's wohl nicht commod machen? Hier muß man die Knie aneinander drücken und darf sich nicht anlehnen. Aber ich lehn mich gern wo an! Und jetzt setz ich mich erst recht lätschig, nur weil Sie's erwarten.
Der Portwein ist for mich? Oder soll er noch for andere Besucher reichen? Wer kommt denn noch? Die Weimarer forchten Ihre spitze Zunge. Haben Sie die Karaffe follen lassen, als Sie die Kalesche der Vulpiussen haben vorfahren sehen? Wollen Sie wissen, ob ich die Karaffe leer mache? Kommt drauf an, Madame, wie lange Sie mich warten lassen. Wer mehr Geduld hat.
Jetzt sind Sie neugierig, ob der Meinige weiß, daß ich Ihnen einen Besuch abstatte. Er befindet sich zur Zeit auf Reisen, das weiß in Weimar jeder, und Sie