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O III
Mitten im Park, zwischen hundertjährigen Bäumen, steht halb versteckt ein altes Schloß. "Wenn der Mond sdieint, meint man, es träume von längst vergangenen Zeiten, so still liegt es da. Am Tage aber merkt man, daß es voll jungen Lebens ist, voll Übermut und Lachen, voll emsiger Gesdiäf-tigkeit und ernster Arbeit. In den ehrwürdigen Mauern ist das Mädchengymnasium untergebracht.
Auch heute blicken unzählige Mädchenköpfe aus den Fenstern des alten Schlosses. Wie Bienengesumm und Vogelgezwitscher tönt es in den alten Park. Dann eine schrille Glocke — und allmählich tritt Stille ein.
Strahlender Sonnenschein wirft goldene Kringel durch die alten Baumkronen auf den weiten Rasen, über den jetzt ein etwa vierzehnjähriges Mädchen, die Mappe fest unter den Arm geklemmt, auf das Schloß zuläuft.
Verflixt! Nun kommt sie wieder zu spät, ausgerechnet heute, zur Lateinarbeit! Daß ihr auch gerade, als sie fort wollte, noch der Knopf vom Rock abspringen mußte! Natürlich ist ihr dann die Straßenbahn vor der Nase weggefahren.
Über drei und drei Stufen springt Franzi die Treppe hinauf. Ob sie mit der Arbeit schon begonnen haben?
Wie streng die geschlossene Tür mit dem Schild O III doch aussieht, wenn man mit schlechtem Gewissen davorsteht! Franzi öffnet sie, so leise es nur möglich ist. Vielleicht kann sie sich auf ihren Platz schleichen, ohne daß „er" es bemerkt.
Nein! „Er" hat ausgerechnet den Blick auf die Tür gerichtet. Jetzt reckt er seine kleine Gestalt und blitzt Franzi über die Brillengläser hinweg an. „Ach, Gnädigste haben ausgeschlafen? Geruhen Gnädigste vielleicht, sich an der Lateinarbeit zu beteiligen?"
Franzi bekommt einen roten Kopf. „Entschuldigen Sie, bitte, Herr Studienrat. Ich, ich. . . habe mir noch einen Knopf annähen müssen."