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VORWORT
Reisen - ein weiter Begriff mit vielen Schattierungen, die durch Worte wie . Fremdenverkehr, Tourismus, Wandern ausgedrückt sind. Unterschiedlich sind die Formen, unter denen es sich vollzog, unterschiedlich die Motive, die zu ihm führten. Die vorliegende Kulturgeschichte strebt an, das Thema umfänglich zu behandeln. Eine Weltgeschichte allerdings, die gewiß auch nicht kurzweilig wäre, soll nicht geboten werden. Im Räumlichen ist der Inhalt im wesentlichen auf Europa, insbesondere Mitteleuropa, beschränkt, im Zeitlichen erstreckt er sich bis zum Anfang unseres Jahrhunderts. Aber das Bemühen geht dahin, die großen Zusammenhänge aufzuzeigen.
Gesprochen werden soll zunächst in kürzerer Darstellung von den Reisen in der Antike und in ausführlicherer von denen im Mittelalter. Das Gewerbe trieb zum Reisen an, Entdeckerfreude, die Lust am Abenteuer, das Bedürfnis nach Erholung, wissenschaftliche Neugier, religiöser Eifer, das Verlangen, Bildung zu erwerben. Die Motive waren von gesellschaftlichen, wirtschafl-lichen, politischen, sozialen, geistigen Faktoren der jeweiligen Zeiten geprägt, und die Technik des Reisens entwickelte sich mit dem jeweiligen Stande der Beförderungstechnik. Es reisen im Altertum Kaufleute, Geographen, Eroberer, Gelehrte, Wallfahrer zu Gnadenorten, Besucher sportlicher Spiele. Im Mittelalter gesellen sich zu einem Teil dieser Personenkreise Pilger, Minnesänger, Vaganten, Ritter, Boten des neuen Glaubens, politische Gesandte. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts an wird das Wandern der Handwerksgesellen üblich, ein in der Ordnung der Zünfte verankerter Brauch, der noch bis in die Zeiten August Bebels hinein geübt wurde.
Vom Anfang des 15. Jahrhunderts an, im Zeitalter, das wir, etwas ungenau und konventionell, Renaissance nennen, verändert sich im Zuge gesellschaftlicher Umwälzungen das Weltbild. Eine neue Epoche der Geschichte beginnt. Das Denken entwindet sich den autoritären Fesseln, in die es von der Kirche geschlagen war, und wird weltoffener. Das Zeitalter der großen geographischen Entdeckungen hebt an. Die Seefahrer begnügen sich nicht mehr mit Küstenschiffahrt, sondern wagen sich aufs offene Meer hinaus. Auf dem Kontinent kommen die „Kavalierstouren" auf. Junge Leute, vornehme „Standespersonen", reiten oder fahren im Wagen (immer nur im eigenen) in andere Länder. An Landschaft und an Land und Leuten liegt ihnen wenig, aber sie wollen ihre politischen Kenntnisse erweitern und die Zeremonien fremder Höfe kennenlernen.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erhält das Reisen Impulse von den „fahrenden Personenposten", den Postkutschen. Sie sind Sinnbild der „guten alten Zeit" geworden, und welche Mängel sie auch aufwiesen: sie erschlossen die