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„Bilde, Künstler, rede nicht!", diesen Appell Goethes habén die Maler und Bildhauer - ohne sich viel Zwang anzutun - wohl immer am konsequentesten befolgt. Ihr Ausdrucksmittel ist die Linie, die Farbe, der Stein und nicht das Wort. „Wenn ich so mai' und denk an nix . . dieser Ausspruch eines zeitgenössischen Künstlers, den der Kunstkritiker und Kunsthistoriker Alfréd Schmeller überliefert hat, prázisiert oífenbar eine typische Seelenlage des bildenden Künstlers bei der Arbeit, weshalb wir ihn zum Titel dieses Buches gewáhlt habén. Maler und Bildhauer sind Schöpfer stummer, das heiík beredter Bildwerke und zumeist keine Erzeuger von Bonmots. Ausnahmen wie Menzel, Liebermann, Whistler oder Picasso bestátigen nur die Regei. Aber gerade diese Ausnahmen waren es, die uns - die beiden Autoren - zu dem fragwürdigen Unternehmen ermutigt habén, einmal die Geschichte der bildenden Kunst - vom Beginn der Neuzeit bis zur Gegenwart, von der Renaissance bis zur Moderne - unter das Brennglas der Anekdote zu nehmen. Anekdoten habén es wie Aphorismen in sich, dafi sie in prágnanter Kürze einen Gedanken, eine Persönlichkeit, eine Situation oft schárfer umreifíen als ein tiefschürfendes Essay. Darum mahnte schon Kari Kraus: „Einer, der Aphorismen schreiben kann, sollte sich nicht in Aufsatzen zersplittern." Wir habén uns nicht in Aufsatzen zersplittert, auch dort nicht, wo die anekdotischen Quellen spárlich flossen. Wo sich keine Anekdote fand, dort bot sich