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Gottes Sonne scheint auf Gerechte und Ungerechte. Sie scheint auch auf das kleine, weifigekalkte Bürgermeisteramt und ragt mit schrágen, leuchtenden Balken in die Kanzleistube hinein, wo an engbrüstigen Pultén Schreiber hocken und mit spitzen Federn schönes Papier in háfiliche Aktén verwandeln. In der Hauptsache führen sie Krieg gegen die Fliegen, die aus den benachbarten Stállen kommen und es sich in den Kopf gesetzt habén, fleifiige Beamte an der Nase zu kitzeln oder ihnen in die Aktén unerwünschte Punkte zu machen, die man mit einem groBen Messer wieder ausradieren muB. Auch sonst ist vielerlei zu tun. Man muB die bleichsüchtige Zimmerlinde pflegen, ihr Wasser geben und die welken Blátter abknipsen, man muB um Punkt zehn Uhr die Frühstückspause machen, und nachher muB man aus einem altén Linienblatt einen Deckel für das TintenfaB schnitzeln, und der Kalender muB angerissen werden. Und dann muB man sich auch schlieBlich einmal ausruhen und nachdenken, ob es tunlich ist, vor dem Mittagessen noch eine neue Seite anzufangen. Am lebhaftesten bescháftigt ist der Herr Kanzleivorsteher Christian Kempenich. Dafür ist er der Vorgesetzte. Er stelzt mit langen, harten Schritten durch