Bővebb ismertető
Erstes KapitelDie Stadt dampfte.Regenschwere Monsunwolken hingen drohend und grollend am bleigrauen Himmel. Die Nachmittagsluft lag wie eine nasse Decke über der Erde. Sie hiek die drückende Feuchtigkeit gefangen und lähmte selbst die Standhaftesten, denn sie nahm ihren Körpern jede Energie, ihrem Geist alle Willenskraft. Der Hooghly, der Fluß, der die Stadt teilte, kroch wie auf bleiernen Füßen dahin. Er wartete auf die Windböen, die ihn vorwärtstreiben und aus seiner Lethargie reißen würden. Kein Blatt, kein Staubwölkchen regte sich. Aber die Stille barg ein Versprechen: Wenn das Gewitter losbrach, würde es die ersehnte Kühlung bringen, und die Erde konnte wieder frei atmen. Noch aber dampfte Kalkutta.Lady Bridget Templewood stand im Küchenhaus und teilte die Zutaten für das Abendessen aus. Die Hitze schien sie nicht zu berühren. Sie hielt sich wie immer kerzengerade. Die Hand mit der langen Holzkelle schöpfte Erdnußöl aus dem Krug und bewegte sich dabei mit der Präzision eines Gerätes, das eigens für diesen Zweck entwik-kelt worden ist. Beim Zählen formten ihre Lippen stumme Beschwörungen, und das gab ihr den Anschein einer Vestalin, die ein geheimes Ritual durchführte, von dem das Schicksal des britischen Reichs abhing. Hätte man Lady Bridget das gesagt, wäre sie geschmeichelt gewesen. Selbst in diesem fernen Vorposten des prosperierenden Empire Ihrer Königlichen Majestät glaubte Lady Bridget voll Inbrunst an die Pflichten, die eine englische Dame von Adel gegenüber Königin und Heimat zu erfüllen hatte - und zu diesen Pflichten gehörte auch das Küchenhaus.-7-