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james McNeill whistler
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IE KÜNSTLERISCHE ERSCHEINUNGSFORM Whistlers unterscheidet sich sehr von jener Seite seines Charakters, _ die er gern zur Schau zu stellen pflegte. Nichts Vulgäres ist in seiner Kunst, wie es so oft in seinem Auftreten der Fall war; in seiner Malerei war er niemals aggressiv, sondern strebte vielmehr nach Stille, Verschwiegenheit und dem Geheimnisvollen. Die Gemälde mit ihren gedämpften Farben wirken vielleicht ein wenig blaß und sogar blutleer, verglichen mit denen einiger Zeitgenossen wie Gauguin oder van Gogh, und erst heute, nach einer langen Periode unverdienter Vernachlässigung durch die Öffentlichkeit, beginnen sie neue Bewunderer anzuziehen. Whistlers Werk zählt wieder, und zwar auf Grund von Eigenschaften, die bis vor kurzem noch ziemlich suspekt waren — jedenfalls in der modernen Kunst. Die Überfülle gegenwärtiger Malerei, in der häufig auf die Feinheit der Ausführung zugunsten des unmittelbaren Effektes verzichtet wird, hat bei zahlreichen Kunstfreunden eine Reaktion hervorgerufen, und diese „Reaktionäre" neigen dazu, bei einer zurückhaltenderen und dabei nicht weniger anrührenden Malerei, in welcher dunkle und ruhige Farbtöne vorherrschen, Zuflucht zu suchen. Sie finden sie in Whistlers Arbeiten. Aber damit keine Mißverständnisse aufkommen: auf seine Weise konnte Whisder außerordentlich „gewagt" sein, und er kann in der Tat unser Interesse als ein Vorläufer jener Malerei erregen, die man „action painting" oder „abstrakten Expressionismus" genannt hat.
Whistler lebte im Zeichen des Schmetterlings, mit dem er seine Bilder signierte. Er war elegant, flatterhaft, liebte es, unterwegs zu sein, und setzte sich nicht gern an einem Ort fest. Sein Vaterland Amerika, wo er 1834 geboren wurde, hat er freiwillig verlassen, doch auch als er sich in Europa niederließ, bewahrte er eine Vorliebe für gewisse Nationalgerichte und rühmte sich, daß er Kadett der Militärakademie von West Point gewesen war. Dennoch legte er wenig Wert auf Volksverbundenheit, die heutzutage bei einem trans-atlanüschen Künstler für so wichtig und unumgänglich erachtet wird, und war, wenn man Philip Rahvs treffende Definition des amerikanischen Charakters anwenden will, ein „Bleichgesicht", keine „Rothaut". Als echter Kosmopolit, frei von jeder Bindung an eine nadonale Tradition, was immer man darunter verstehen mag, machte er halt an allen Oasen der Schönheit, die ihn erquicken konnten. In erster Linie war er Ästhet, und das bedeutete, daß er mit mehreren