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So war das also.
So war das also, wenn man sein Todesurteil erhielt.
Die Sonne schien hell durch die Mullgardinen. In den Bäumen vor den Fenstern lärmten die Vögel. Der Mann im weißen Kittel, dem er gegenübersaß, hatte die Hände über der Schreibtischplatte verschränkt und ihn offen angesehen.
Ohver Anzfelden räusperte sich. Sein Herz schlug schnell und hart. Er fühlte Schweiß auf der Oberlippe und suchte nervös nach einer Zigarette. Mitten in der Bewegung stockte er.
Professor Wodinsky lächelte mild. »Sie können ruhig rauchen«, sagte er, »wirklich, es «
»Es kann mir nicht mehr schaden«, unterbrach Oliver ihn gereizt. »Mir schadet überhaupt nichts mehr. Ich kann alles tun. Saufen, rauchen, essen. Nichts schadet mir mehr. Absolut nichts.«
Der Arzt nahm die Brille ab. Seine Augen wirkten plötzlich kleiner, fast verlegen. »Herr Anzfelden«, sagte er begütigend, »Sie sind aus Wien zu mir gekommen mit Ihren Befunden, und Sie wollten die Wahrheit wissen. Sie haben mir erzählt, daß Sie alleinstehend sind und Verfügungen zu treffen haben. Unter diesen Umständen mußte ich Ihnen die Wahrheit sagen. Es gibt keinen Zweifel, Sie haben ein Bronchialkarzinom. Meiner Meinung nach leider inoperabel. Nach den Erfahrungswerten, die wir haben, dauert es ein Jahr, vielleicht anderthalb « Er rieb seine Hände mit einem schabenden Geräusch aneinander. »Aber ich bin nicht allwissend. Es gibt immer wieder Wunder. Die Natur blamiert uns Mediziner eben manchmal. Da Sie mir aber sagten, Sie hätten noch Verfügungen zu treffen, muß ich Ihnen raten, regeln Sie Ihre Angelegenheiten.«
Oliver nickte. Er hatte schonungslose Offenheit verlangt, hatte kein Drumherumgerede in Fachchinesisch akzeptiert. Für den Arzt war der Fall Oliver Anzfelden ein Fall wie jeder andere. Eine Krankengeschichte, ein fremdes Schicksal.