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Dr. Ursula Mit der Ausstellung Wiener Diwan setzen die Wie-Pasterk ner Festwochen ihre Aktivitäten im Bereich der zeit-
Stadträtin für Kultur genösslschen Kunst fort.
Wien Dem thematischen Schwerpunkt der Festwo-
chen des Jahres 1989 - Seele - entsprechend, ist die Schau der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, gewidmet.
Kaum ein Wissenschaftler und Denker gehört so sehr zu Wien wie Sigmund Freud. Daß er weltberühmt ist, also der Welt gehört, das bedeutet wohl auch, daß etwas von diesem Ruhm an diese Stadt zurückfließt.
Es ist aber auch beschämende Realität der Geschichte dieser Stadt, daß Sigmund Freud im Juni 1938, 82 Jahre alt und todkrank, von den Nazis zur Emigration gezwungen wurde; daß er in dieser Stadt, die er liebte und haßte, nicht leben konnte, sondern vertrieben wurde wie viele andere, die heute die intellektuelle und künstlerische Bedeutung Wiens in aller Welt begründen.
Die,Vertriebene Vernunft', bitter genug, war die einzige, auf die man sich hätte verlassen können.
5/^m(y/7c//Teuc/-/>ei//e istschon seitJahrzehnten mehr als ein wissenschaftshistorisches Thema, es ist ein in das allgemeine Bewußtsein eingedrungenes selbstverständliches Phänomen der Alltagskultur.
Freuds Psychoanalyse war nicht nur die wichtigste medizinische Revolution dieses Jahrhunderts, ihr Einfluß ist weltweit in allen Bereichen des Lebens wirksam geworden. Daß es hierbei bis heute zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen gekommen ist, daß man in den USA die Psychoanalyse In anderer Weise als in Frankreich oder in der BRD weiterentwickelt hat, führte zu einem vielfältigen Spektrum der Rezeptionsgeschichte.
Dieser Umstand wird in den, meist eigens für diese Ausstellung geschaffenen Werken von mehr als 50 Künstlern aus zehn Ländern anschaulich. Dafür, daß sich diese International angesehenen Künstler mit großem Interesse einem von Österreich lange verdrängten Kapitel seiner Geistesgeschichte zugewendet haben, bedankt sich die Stadt Wien ausdrücklich.
So klar die thematische Ausrichtung dieser Ausstellung sein mag, so weitgefächert stellen sich die Ergebnisse dar. Sie reichen von der surrealistischen Zeichnung über individuelle Mythologien, konzeptionelle Ansätze, erzählerische Bildfolgen bis zur Großskulptur und Architektur.
Ich danke den Künstlern und den Ausstellungsmachern und wünsche der Ausstellung viele Besucher, die zu den angebotenen Reflexionsmöglichkeiten eine, ,ihre', subjektive Nähe entwickeln können.