Bővebb ismertető
Vorwort von Michael Frayn lm Jahre 1920, sechzehn Jahre nach Tschechows Tod, kam ein neues und unbekanntes Stück von ihm ans Tageslicht. Das umfangreiche, von Tschechow eigenhándig geschriebene Manuskript wurde in einem Moskauer Banktresor gefunden. Die Umstánde der Entdeckung sind etwas unklar - wie auch um das Stück selbst etwas Rátselhaftes ist. Die Titelseite des Manuskriptes fehlte, und somit jeglicher, Identitát und Herkunft des Stückes betreffender Beleg. Seit es im Jahre 1923 vom Sowjetischen Zentralen Staatlichen Literaturarchiv veröffentlicht wurde, kennt man es unter den verschiedensten Namen. In England wird es gewöhnlich nach dem seines Helden, Platonov, genannt - oder vielmehr, wie englische Zungen es beharrlich aussprechen: ,Plate On/Off. Die Handschrift und die zahlreichen mundartlichen Wendungen deuten darauf hin, dafi Tschechow es ganz zu Anfang seiner Laufbahn geschrieben habén mufi. So sind sich auch alle Sachverstándigen darüber einig, dafi es sein erstes uns erhalten gebliebenes Stück ist. Herumgerátselt wird an der Frage, ob es auch das erste abendfüllende Stück ist, das er je geschrieben hat, und diese Frage ist nicht nur von akademischem Interesse. Es ist ein beeindruckendes und aufwühlendes Stück. Den Kritikern sprangen anscheinend mehr seine jugendlichen Unzulánglichkeiten ins Auge, als seine überraschenden Stárken. Seine Mángel sind allerdings unübersehbar. Zunáchst einmal seine Lángé; ungestrichen gespielt würde eine Aufführung, meiner Schátzung nach, etwa sechs Stunden dauern. Es hat überhaupt von allém zu viel. Es hat zu viele Personen, zu viele unvereinbare Themen und zu viel Handlung. Es versucht, gleichzeitig eine erotische Komödie, ein Sittentraktat, ein Melodram, eine Milieuschilderung Rufilands und eine Tragödie zu sein. Die Spuren von Tschechows frühen Theaterbesuchen als Schüler in Taganrog (oftmals verkleidet, um dem Schulinspektor zu entgehen - es war ein verbotenes Laster) sind allzu offenkundig. Platonov selbst ist der Archetyp der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, der ,überflüssige Mensch4. Er ist zugleich Hamlet, der durch Gewissen und mangelnde Entschlufikraft geláhmte Held - und Tschatikz aus Gribojedows ,Verstand schafft Leiden', der Held, den chronische Ehrlichkeit zur Passivitát verdammt. Das Stück wird auch von einer gewissen Plumpheit beeintráchtigt, insbesondere in der Zeichnung einiger Nebenrollen; am meisten vielleicht in der Charakterisierung des Vengerowitsch,,eines wohlhabenden Juden' (obgleich dessen erwartungsgemáfie Vulgaritát durch die idealistischen Züge im Charakter seines Sohnes etwas wettgemacht wird). Was das Funktionieren des Stückes mehr erschwert, ist die Weitschweifigkeit der Handlung und des Dialogs. Was es noch mehr erschwert - jedenfalls für den Bearbeiter, der eine praktische Lösung all dieser Probleme zu finden trachtet - ist eine Schwáche, die eine der grófién Qualitáten der spáteren Stücke ahnen láfit: ein stándiges Balancieren zwischen dem Komischen und Tragischen, das eines Tages zu einem Tschechowschen Charakteristikum werden wird, hier aber als