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WIND UND WASSERWenn wir an der Grenze zwischen Land und Wasser am Strande des Meeres stehen und unsere Blicke über die endlose Meeresfiäche schweifen lassen, können wir beobachten, wie sich auf der spiegelglatten Ebene ein glitzernder Streifen bildet, der Ausdruck eines Windhauchs, der, schnell breiter werdend, sich mit leichtem Gekräusel nähert, und dann die unendliche Meeresoberfläche ganz überzieht. Wenn sich dann das Blau des Himmels in einen grauen Schleier hüllt und die Farbe des Wassers dasselbe kalte Grau annimmt wenn sich der Himmel langsam verdunkelt und schwarze Wolken hoch über uns dahinjagen wenn die Sonne verschwindet und das Wasser, das Spiegelbild des Himmels, durch die dunkle Farbe der Wolken erschreckt, sieh stahlblau verfärbt wenn dann die kleinen Wellen mit einem Schlage verschwinden und das Meer wieder glatt und leblos vor uns liegt, indem der dem Sturme vorangehende Gegenwind wieder verstummt wenn trotz des in den hohen Luftschichten dahineilenden Sturmes auf der Erde noch tiefe Stille herrscht so fragen wir uns: Was bedeutet das alles, was bedeutet diese Stille ? Vielleicht eine letzte Warnung für alle Lebewesen oder will uns die Natur das Schöne durch den Kontrast noch schöner erscheinen lassen? Schon ehe der Sturm über uns hereinbricht warnen uns seine Vorboten, deren Rufe wie ein hundertfaches Echo in unzähligen Naturerscheinungen sich auswirken. Aus den Formen und Färbungen der Wolken können wir lesen, was sie uns sagen wollen. Noch zittert die warme Luft über dem Wasser, als ob sie sich vor dem kommenden Naturereignis fürchte. In der Ferne rauschen Wälder, von unsichtbaren Schwingen getragen dringt der Klang von Glocken und Stimmen an unser Ohr. Am Horizont bewegt sich der Rauch eines fernen Dampfers mit großer Geschwindigkeit fort und die lange dunkle Rauchfahne zeigt uns die Richtung der atmosphärischen Strömung. Am Strande schiebt sich eine Staubwolke wirbelnd vorwärts. Blätter tanzen in der Luft. Die Luft nimmt jenen eigenartigen Gcruch an, es riecht nach Sturm! Die Temperatur fällt plötzlich; kalte Luftströmungen drängen aus größeren Höhen senkrecht zur Erde. Jetzt greift der Sturm auf die Wasserfläche über; schlagartig ändert sich die Farbe des Meeres. Was sich vorhin in entgegengesetzter Richtung langsam, wie von der Zeitlupe aufgenommen, abspielte, geht jetzt in wenigen Sekunden vor sich. Das Meer antwortet wieder zuerst mit kleinsten Wellchen, die jedoch nicht wie vorher mit einer scharfen Abgrenzung langsam fortschreiten, sondern die glatte, windlose Stellen sprungartig hinter sich lassend, überall erscheinen. Man sieht, wie der Wind vom Wasser abspringt und sich dann beim Aufsprung durch dunklere Wasserfärbung, eine Wasserböe, wieder deutlich zu erkennen gibt. Noch einmal ändert das Meer seine Farbe. Am Horizont säumt sich das tiefe Dunkel mit Weiß. Die kleinen Wellen werden größer, höherTitel Wind und Wasser" mit Genehmigung der gleichlautenden Zeitschrift in Berlin.7