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Vorwort
Als mich im Frühjahr 1997 der mir persönlich unbekannte Wolfgang Wagner telephonisch fragte, ob ich nicht in Bayreuth einen Vortrag zum 100. Geburtstag seiner Mutter Winifred halten wolle, zögerte ich keine Sekunde und sagte nein. Winifred Wagner interessierte mich nicht. Mein Bild von ihr war geprägt von Hans Jürgen Syberbergs Film des Jahres 1975, in dem sie sich als sozusagen einzig verbliebene treue Hitler-Freundin und unbelehrbare »Nazi« präsentierte. Tratscherfüllte Presseberichte bestärkten meinen Unwillen.
Ich war vielmehr auf der Suche nach einem Thema, das - im Anschluß an Hitlers Wien - Hitlers Aufstieg in Deutschland schilderte. Dieser Aufstieg ist aus Wiener Sicht völlig unverständlich und kaum aus Hitlers wahrlich nicht überragender Persönlichkeit zu erklären, sondern vor allem aus der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ideologischen Befindlichkeit in Deutschland nach 1918.
Da ich auf jeden Fall mit neuen, privaten Quellen arbeiten wollte, die auch einen Einblick in die Alltäglichkeiten und das Klima dieser Jahre gaben, schien mir eine Biographie als zweites, eng mit dem ersten verbundenes Thema ideal. Es mußte eine Person sein, die in möglichst langem und engem Kontakt zu Hitler stand, um aus deren Sicht seinen Aufstieg zeigen zu können.
So kam mir dann doch wieder Winifred Wagner in den Sinn, Hitlers Freundin, die Repräsentantin des Hauses Wagner, Festspielchefin von 1930 bis 1944, in deren Haus Hitler Familien- und Künstleratmosphäre fand und genoß. Es gab auch, worauf ich Wert legte, eine Verbindung zu Hitlers Wien. Denn Hitlers Liebe zu Richard Wagner und seine gründliche Kenntnis von dessen Werken und Schriften stammten schon aus der Wiener Zeit. Die rassentheoretischen Schriften von Wagners Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain prägten Hitlers politisches Denken von Jugend an.
Erste Recherchen in Wiener Archiven zeigten, daß Winifred eine eifrige, bodenständige und offenherzige Briefschreiberin mit einem riesigen Kreis von Korrespondenzpartnern war und es mir daher an