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Essen und Trinken in Ungarn
Die ungarische Kochkunst hat sich nicht aus purem Zufall bis zu dieser Höhe entwickelt, sondern ist einer Schwäche der Ungarn zu verdanken, derer sie sich nie rühmten, die sie aber auch nicht leugnen können. Es ist nämlich ganz einfach so: Die Ungarn essen gerne! Sie sitzen gerne und lange bei Tisch und lassen sich die Gerichte und den Wein bei lustigem Geplauder schmecken.
Das ist Gastrozentrik, die den Ungarn in allen Zeiten eigen gewesen sein muß: Wo immer sie auf ihren Kriegszügen hinkamen, fanden sie mal hier, mal dort ein neues Gewürz, eine neue Kulturpflanze oder ein neues Rezept zur Bereicherung der heimischen Gastronomie und als Entgelt für die mühseligen, schonungslosen Kämpfe gegen die Tataren oder die Türken. So kamen die Eiergerste aus dem Iran nach Ungarn, der Gewürzpaprika durch spanisch-italienisch-türkische Vermittlung aus Zentralamerika, die Zwiebel und der Knoblauch aus Italien durch eine Königstochter, die einen ungarischen Renaissancekönig geheiratet hatte. Und es klingt wie eine Anekdote, daß die saure Sahne, die heute aus der ungarischen Küche nicht wegzudenken ist, Ende des 17. Jahrhunderts vom kaiserlichen Küchenchef »erfunden« wurde, als er aus purer Nachlässigkeit einmal saure statt süßer Sahne verwendete.
Immer wieder nahmen die Ungarn, Hausfrauen wie Hofküchenmeister, die verschiedensten Geschmacksrichtungen in ihr Speiseprogramm auf und verschmolzen das Erbe der Tataren, Türken, Italiener, der slawischen Völker, der Franzosen sowie der Deutschen und Österreicher zu einer homogenen Einheit. Dazu kam die Wechselwirkung zwischen häuslicher und gewerblicher Gastronomie. Die scharfen und aromatischen bäuerlichen Speisen zogen ab Mitte des
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