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Ein Blick zurück
Wann beginnt eine neue Zeit? Das Jahr 1945 bedeutete zwar ein Ende, aber noch keinen Anfang. Erst 1949 waren die Trümmer des Zweiten Weltkrieges soweit aus dem Wege geräumt, daß man an einen Neubeginn gehen konnte. Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland war nur einer dieser Schritte auf ein neues Ziel hin.
Inzwischen hat sich vieles gewandelt, was man damals zu den Voraussetzungen des öffentlichen Lebens zählen mußte. Bis zum letzten Augenblick des Vierteljahrhunderts, das seither vergangen ist, zeichneten sich bei uns wie in aller Welt Veränderungen ab. Die Daten, die unseren Rückblick begrenzen — die Unterzeichnung des Grundgesetzes und sein Jubiläum -, sind nur wie Meilensteine an einer Straße, die weiterführt. Unser Rückblick wird durch Bilder bestimmt. Nun können Fotografien ja nur einen Augenblick festhalten. Aber was an ihnen wichtig und kennzeichnend ist, geht oft über diesen Augenblick tief in die Vergangenheit zurück oder in die Zukunft hinaus. Das sollen die Kommentare verdeutlichen. Während die Bilder hauptsächlich Ereignisse spiegeln, gehen die Texte vorwiegend den langfristigen Trends nach. »Die Politik ist unser Schicksal«, hat man gesagt, und so ist ihr hier viel Platz eingeräumt. Unter Politik sind freilich nicht nur Kriege, Revolutionen, Konferenzen und Verträge zu verstehen, sondern auch soziale Wandlungen, die sich nicht so leicht an herausragenden Augenblicken ablesen lassen. Der soziale Wandel spiegelt sich deutlicher als in der sogenannten Sozialpolitik wohl in den Bereichen, die nicht von den Regierungen und Parteien bestimmt werden: in Wissenschaft und Technik, in Kunst und Unterhaltung, in Sport, Mode und tausenderlei Kleinigkeiten des Alltags. Auch diese Entwicklungen sind hier von einzelnen Ereignissen her aufgezeigt, für die sich eine bestimmte Jahreszahl angeben läßt. Die Premiere eines Films, das Erscheinen eines Buches, der Sieg in einem Wettkampf,
der Todestag einer hervorragenden Persönlichkeit stehen als Merkpunkte für wichtige Gebiete der zeitgenössischen Zivilisation. Auch hier sollen die Kommentare die Linien andeuten, zu denen diese Punkte gehören.
In fünfundzwanzig Jahren einer turbulenten Periode ist unendlich viel mehr geschehen, als man in etwa 330 Bildern wiedergeben könnte. Es ist keine Auswahl denkbar, die für jeden der Zeitgenossen dieser Periode das persönliche Miterleben umfassend spiegeln könnte. Die Generation, der man angehört, der Charakter, die tägliche Umwelt hat einen jeden an einen Platz gestellt, von dem aus die Welt anders aussah als für alle anderen. So mag hier fehlen, was der oder jener für wichtig hielte, und so mag manches aufgenommen sein, was ein anderer unwesentlich findet. Einer der Maßstäbe für die Auswahl war das öffentliche Interesse, das ein Ereignis oder eine Persönlichkeit ausgelöst hat. So stehen denn Konrad Adenauer und Richard Nixon, Mao Tse-tung und Tito neben Einstein und Picasso, und Kinsey oder Thor Heyerdahl neben Udo Jürgens, Cassius Clay oder gar Christine Keeler.
Aber nicht nur die Prominenten prägten die Zeit. Wir alle haben sie mitgeschaffen und miterlebt. So findet auch der »Mann auf der Straße«, die Frau hinter der Schreibmaschine und im Haushalt auf einigen der Fotos ihre Alltagswelt wieder. Doch bei allen Bildern wird jeder, der sie nun betrachtet und sich mit Hilfe der Texte an ihre Entstehungszeit erinnert, unwillkürlich auch die Gefühle heraufbeschwören, mit denen er seinerzeit die Nachricht aufnahm, und die Lebensumstände, in denen er sie empfing. Die Mitarbeiter dieses Bildbandes haben es selbst erfahren, was nun Beschauer und Leser nachvollziehen können: das Erstaunen über die Fülle dessen, was wir in diesem Vierteljahrhundert erlebten. Am Ende - mit dem Fazit, das wir zu ziehen versuchen - wird dann der Blick zurück auch zu einer Vorausschau auf morgen.
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