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I
Safenwil und Laupen, den 1. und S.Januar 1913 Neujahr
Prediger 1,9
Was ist's, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ist's, das man getan hat? Eben, das man hernach wieder tun wird. Und es geschieht nichts Neues unter der Sonne.
Liebe Freunde!
„Es geschieht nichts Neues unter der Sonne!" Das scheint eine merkwürdige Losung zum Anfang eines neuen Jahres. Da steht man doch unwillkürUch still und sieht rückwärts und sieht vorwärts, und die Frage ist fast selbstverständlich, die ein Jedes im Herzen hat: Was wird es mir Neues bringen, dieses neue Jahr, und was werde ich Neues zu tun bekommen? Die Neujahrszeit ist doch für die allermeisten Menschen die Zeit der Träume, wo man, wenn auch nur ganz ein wenig, sinnt und spinnt über dem, was kommen muß oder kommen kann. Bei dem Einen sind's Hoffnungen, sei's daß wir auf etwas ganz Bestimmtes rechnen, das uns das angefangene Jahr nach unserer Erwartung zu bringen hat, sei's daß wir uns in unbestimmtem und doch heißem Ahnen einem großen Glück entgegen strecken, das uns bis jetzt gefehlt hat. Bei dem Anderen sind es Befürchtungen. Wo gäbe es ein Haus oder Herz, das gar keine solchen kennen würde, schwarze Punkte im Bilde der Zukunft, denen wir bangend und zögernd entgegengehen und denen wir so gern ausweichen würden? Manchmal wissen wir: das kommt jetzt!, manchmal stehen wir nur vor einem Nebelschleier von „vielleicht" - es ist beides schlimm. Und wieder für Andere ist die Neujahrszeit die Zeit der Pläne und der guten Vorsätze. Wenn so die Bücher abgeschlossen sind des alten Jahres, dann spekuliert man schon in äußern Dingen, in Handel und Wandel, eher als sonst über das, was nun etwa weiter gehen soll. Da türmt man in Gedanken eins aufs andere: so will ich's machen und dann so und so! und freut sich an seinem Kriegsplan. Und Manche sind, die denken doch nicht nur an Geld und Geschäft, sondern die haben in aller Stille beschlossen: da und dort muß in meinem persönlichen Leben etwas anders werden: ich muß über etwas gründlicher nachdenken, über das ich bis jetzt nur oberflächliche, ungenügende Gedanken gehabt habe, ich muß mich an diesem oder jenem Punkt besser in der Gewalt halten als früher, ich muß gegenüber meinem Mann oder meiner Frau oder