Wirbelsäule
Von J. E. W. Brocher A. Röntgenanatomie der Wirbelsäule
Dank ihrer verborgenen Lage ist die Wirbelsäule nur in beschränktem Maße der direkten Untersuchung des Klinikers zugänglich. Mehr als an den Extremitäten erwartet dieser - in den meisten Fällen zu Recht - aus der Röntgenuntersuchung aufklärende, ja für die Diagnose richtunggebende Hinweise.
Am Bewegungsapparat lassen sich dankbare und undankbare Strukturen für die Röntgenuntersuchung unterscheiden. In die erste Gruppe gehört der knöcherne Wirbelanteil,...
Wirbelsäule
Von J. E. W. Brocher A. Röntgenanatomie der Wirbelsäule
Dank ihrer verborgenen Lage ist die Wirbelsäule nur in beschränktem Maße der direkten Untersuchung des Klinikers zugänglich. Mehr als an den Extremitäten erwartet dieser - in den meisten Fällen zu Recht - aus der Röntgenuntersuchung aufklärende, ja für die Diagnose richtunggebende Hinweise.
Am Bewegungsapparat lassen sich dankbare und undankbare Strukturen für die Röntgenuntersuchung unterscheiden. In die erste Gruppe gehört der knöcherne Wirbelanteil, welcher als positiver Kontrastgeber anzusehen ist. Nichtschattengebend und daher im Röntgenbild unsichtbar sind die Bandscheibe, die Gelenkknorpel sowie die Wirbelsäulenbänder. Aus ihren „negativen" Verhalten lassen sich zum Teil wichtige Folgerungen schließen. Niemals aber, selbst bei pathologischen Verkalkungen, kann man diese Gebilde in ihrer Ganzheit darstellen.
Erkennbar im Röntgenbild wird der Wirbel, wenn sich eine Verkalkung und Verknöcherung eingestellt haben. Auf diesen Vorgängen beruht vom 5., selten vom 4. Fetalmonat an die Möglichkeit einer Schwangerschaftserkennung.
Am Fetus (außerhalb des Mutterleibes) lassen sich die ersten Verknöcherungen der Wirbel im 3. Fetalmonat nachweisen. Sie beginnen in den Wirbelkörpern der unteren Thorakalgegend und dehnen sich in der Folge kranial- und kaudal-wärts aus. Für das Bogengebiet beginnt der Ver-knöcherungsprozeß im Atlas, von wo aus er sich kaudalwärts fortpflanzt.
Im Wirbelkörper tritt zuerst eine endochon-drale Verkalkung auf. Durch ein Eindringen von Gefäßen wird dieser verkalkte Knorpel aufgelöst und durch sekundär verknöchertes Gewebe ersetzt. Diese Knochenbildung unterhegt einer großen Variabilität.
Histologische Untersuchungen Schinz' u. Tönd urys sprechen gegen die oft geäußerte Irrlehre, der Knochenkern werde in der Vielzahl angelegt. Auch das Bestehen einer als physiologisch geschilderten zentral im
Wirbellcörper gelegenen Spalte wird von Töndury als ein Projektionseftekt im Röntgenbild aufgefaßt (im iniliroskopischen Präparat findet sich keine Kontinui-tätsunterbrechung).
Die Verknöcherung des Wirbelbogens erfolgt nicht aus Knochenkernen, sondern perichondral. Bei der Geburt ist nahezu der ganze Wirbelbogen verknöchert. Zu diesem Zeitpunkt läßt sich zwischen dem knöchernen Wirbelkörper und dem ventralen Teil der zugehörigen Bogen eine knorpelige Unterbrechungslinie, die Wirbelbogenfuge, erkennen (s. Abb. 2a).
Meist weisen die Wirbelkörper bei der Geburt eine Biskuitform auf. Oft erkennt man an ihrer
Abb. 1. Neugeborener. Röntgenaufnahmen von isolierten Wirbehl in der Aufsicht, a = Hals-, b = Brust-, c = Lendenwirbel. Man beachte die schräge Stellung der Wü-belbogenfuge. (Knochen schraffiert, Knorpel punlitiert.)
(Nach McRae in Becher, K., 1960 Klinische Neuroradiologie Thieme, Stuttgart
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