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VORWORT
Im Laufe des Jahres 1946, als wir Historiker vor verschlossenen oder vernichteten Archiven standen und uns nach Anregungen zu fruchtbarer Arbeit umsahen, wurde ich durch den Vertreter eines früher sehr bekannten Verlages gefragt, ob ich bereit sei, Heinrich Sievekings „Grundzüge der neueren Wirtschaftsgeschichte", die zuletzt in 5. Auflage 1928 erschienen waren, für einen Neudruck zu überarbeiten. Der Verlag hat diese seine Anregung nicht weiter verfolgt, aber der Gedanke, eine Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit vorzulegen, hat mich seitdem nicht mehr in Ruhe gelassen. Zu sehr hatte ich bei meinen eigenen historischen Arbeiten auf Gebieten, wo sich politische, Ideen- und Wirtschafts-, besonders Finanzgeschichte berührten, empfunden, wie sehr wir einer solchen Darstellung entbehrten, da die letzten zusammenfassenden Werke bis Ende der zwanziger Jahre zurücklagen. Mir schien es überhaupt ein schwerer Mangel der historischen Ausbildung in Deutschland zu sein, daß wohl die mittelalterlichen Historiker die Wirtschaftsgeschichte mit Erfolg berücksichtigten, die der Neuzeit zugewandten sich dagegen nur mit seltenen Ausnahmen an die freilich verwickeiteren wirtschaftlichen Probleme ihrer Epochen heranwagten. Dabei hatte sich mir bei meinen allgemeingeschichtlichen Versuchen offenbart, welche neuen Ergebnisse der Historiker zu ernten vermag, wenn er im übrigen bekannte Erscheinungen aus einer Fragestellung beleuchtet, die die wirtschaftliche Seite der Sache gebührend berücksichtigt.
Allerdings drängte sich mir sofort die Notwendigkeit auf, nicht ein vorhandenes Buch bloß zu überarbeiten, sondern ein ganz neues zu schreiben. Sieveking war, wie er im Vorwort betonte, von der Wirtschaftstheorie ausgegangen. Mir schien es angemessen, zwar die Wirtschaftstheorie als die eine Seite des wirtschaftlichen Gefüges gebührend zu berücksichtigen, sie aber von der Wirklichkeit her zu betrachten, nicht umgekehrt. Die wirtschaftlichen Vorgänge müssen, meine ich, im Mittelpunkt einer Geschichte der Wirtschaft stehen. Dabei hat sich der Historiker redlich bemüht, das Begriffssystem, das die Wirtschaftswissenschaft ausgebildet hat, richtig zu erfassen und in seiner Darstellung zu verwenden; denn Historisches kann nun einmal nur durch das Wort, d. h. durch den Begriff, ausgesprochen