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DAS MOZARTBILD DER VERGANGENHEIT UND GEGENWART
Unter den großen Meistern der Musik hat auch Mozart seinen festen Platz in der Vorstellungswelt der Musikfreunde. Aber was ist dies für ein Mozartbild, das sich der Durchschnittsbesucher von Operntheatern und Sinfoniekonzerten macht? Entspricht es dem gegenwärtigen Stand der musikwissenschaftlichen Erforschung des 18. Jahrhunderts und ist aus ihm die Bedeutung des Menschen und Künstlers Mozart zu erkennen ? Wird er als Vertreter eines stürmisch bewegten Abschnitts der europäischen Geschichte empfunden?
Unsere Zeit hat eine gründliche Umwertung von Werten vorgenommen. Dabei hat sich auch ergeben, daß viele, zum Teil durch Generationen hindurchgeschleppte Anschauungen vom Wesen und von der Bedeutung großer Persönlichkeiten der Vergangenheit einer erheblichen Überprüfung bedurften. Unser neues Wissen vom Sinn der Kultur und der Künste als unmittelbarer Äußerungen des Lebens und des menschlichen Zusammenlebens mußte jene Vorstellungen entthronen, nach denen der künstlerische Werte schaffende Mensch als ein gewissermaßen außerhalb seiner Zeit lebendes, durch überirdische Begnadung wirkendes und sich über seine eigene Stellung in der Welt zumeist im unklaren befindendes Wesen angesehen wurde.
Mozarts Werke nehmen in den Spielplänen und auf unseren Konzertprogrammen zwar einen ansehnlichen Raum ein, aber man muß bezweifeln, ob der eigentliche Sinn dieser Schöpfungen allen Zuhörern und Zuschauern bewußt wird. Die im 19. Jahrhundert verbreitet gewesene, auch heute noch nachwirkende falsche Anschauung von der Eigengesetzlichkeit der Künste hat Mozarts Persönlichkeit und seine Werke verniedlicht und als Ergebnisse spielerischer Rokokolaune betrachtet. ,,Figaros Hochzeit" wurde zur amüsanten Verkleidungs- und Liebeleikomödie, die ,,Zauberflöte" ein kindlichen Gemütern entsprechendes Märchenspiel, und Mozarts Sinfonien empfand