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Vorwort
Wäre es nicht so mißverständlich, so könnte man dieses Buch ein Andachtsbuch nennen. Aber es muß ja mißverstanden werden. Und diese Tradition, die sich (seit wielange nun schon!) unter uns eingebürgert hat, soll hier nicht fortgesetzt werden, die Tradition, in der mit dem guten alten Wort Andacht andres bezeichnet (und verschleiert) wurde: Frömmigkeitspflege. Domestiziertes Pneuma. Zu Rezitation und Deklamation verkommenes Gebet. Das »Kopf hoch!«, mit dem sich ermattete Wanderer Mut zusprechen. Das Feierabendgefühl, das sich in der milden Wärme des heimischen Kachelofens räkelt nach des Tages Lasten. Der Blick von der Unrast der Welt weg zum Abendstern, auf den man schaut, weniger in der Sehnsucht des Heinrich von Laufenberg, die will, daß sie daheime wär, als mit der Versicherung, allein nicht gehen zu können, nicht einen Schritt. Beschwichtigung des Zweifels, Verdrängung des Zorns. Die fatalistische Resignation, alles gehen zu lassen, wie es geht, da der Vater in der Höhe zu allen Dingen Rat wisse. Die Flucht vor dem, freilich uneingestandenen Gefühl ohnmächtigen Ausgeliefertseins zurück in die Jugendzeit des Glaubens oder nach vorn im Aufschwung der Seele näher, mein Gott, zu dir. Die Bestätigung, daß das Vertraute, einmal Gelernte, ewig und unveränderlich gühig sei im Wechsel der Zeiten. Die hartnäckige Übung, die nur eben keineswegs immer den Meister macht in der Bewältigung dessen, was jenseits der fünf oder zehn Minuten »Andacht« liegt. Der immer wieder unternommene und scheinbar immer wieder glückende Versuch, sich einem Exerzitium des reinen Glaubens hinzugeben, der sich vom Denken fernhält. Der morgendlich oder abendlich zelebrierte Befehlsempfang der Seele. Die Zurüstung für die Alltagswirklichkeit der vierundzwanzig Stunden minus zehn Minuten durch, wie man sagte, Trost und Erbauung. Der gehorsame Konsum von biblischer Lehre, die, auf schlagzeilenartige Leitsätze reduziert, in der Fom von Miniaturpredigten verabreicht wird. Die Verbreitung von Kalenderblattexegesen für gedachte Hütten kinderreicher Holzfällerfamilien oder die Hände derer in realen Klinikbetten dritter Klasse.
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