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Mit Dichtern im Gespräch An Stelle eines Vorworts
Es war zu Anfang der sechziger Jahre. Ich war Lektor eines Verlages und bekam eines Tages das Manuskript eines unbekannten jungen Mannes mit Gedichten, die sich fast in allem von denen unterschieden, die mir bis dahin auf den Schreibtisch gekommen waren. Ihre respektlose Redeweise - Worte zueinandergerückt in drastischen, pathetischen Formationen, deren Perioden sich manchmal galoppierend lustig überschlugen - zog an und stieß zugleich auch ab, weil sie guter Lyrik und geübter Bildlogik zu widersprechen schien. Alltägliche Szenen und ungewöhnliche Vorgänge gerieten spontan und forciert in die Zeilen, landläufige Redensarten ergaben tatsächlich Verse, Phrasen überraschende Metaphern - man war verwundert und ratlos, weil man spürte, daß hier gutgemeinte Verweise auf den Kanon der Dichtung versagten. Als Provokationen wollte der Autor seine Verse verstanden wissen, als solche wurden sie empfunden und darin auch abgekanzelt -das hat sich, wenn ich mich nicht täusche, bei allen seinen Gedichtbänden später wiiederholt; Druckgenehmigungen und Veröffentlichungen ließen manchmal auf sich warten und waren umstritten. Verse liefen der Zeit voraus.
Zögernd, deshalb in Briefen mit bestimmter Ironie, suchte ich dem Schreiber beizuspringen, nicht weil ich gegen seine Gedichte Grundsätzliches einzuwenden hatte, sondern weil sie mir nicht dem zu entsprechen schienen, was ich, nach meinem schlichten Verständnis, an ihnen vollkommen haben wollte. Er wiederum schien auf Widerspruch aus zu sein und ihn selbstquälerisch zu genießen; er diskutierte selbst mit Leuten, die alles besser wußten; auch in diesem Verhaken hat er kaum nachgelassen.
Wir arbeiteten zusammen an seinetn ersten Gedichtband. Die Erstmanuskripte, denen er durch rigorose Striche, bravouröse Wort- und Zeilenumstellungen und Transaktionen die gühige Form gab, um seinen wohlwollenden Kritiker zufriedenzustellen und wiederum zu frappieren, habe' ich
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