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Von dem forellenreichen Oberlauf bis zur Mündung der beiden Flüsse entwickelt sich der ganze Skalenreichtum der
Landschaft „unter der Enns". Die weiten Donauauen mit den hochgelegenen Burgen und Ruinen werden von den weiten
Ackerfluren um Amstetten und Wieselburg und vom Hügellande des Mostviertels abgelöst.
Hinter dem Sonntagberge aber, auf dem die weithin sichtbare Wallfahrtskirche, ein Meisterwerk Prandtauers, steht,
und den anderen Bergen des Alpenvorlandes baut sich die Gebirgswelt auf, in deren Mitte der ötscher thront. Die
„Eisenwurzen", die Heimstätte der alten Kleineisenindustrie, ist wohl der schönste Teil der beiden Täler, die von der
Ybbs und der Erlauf gebildet werden. Hier wurde schon vor Jahrhunderten durch die Kraft der kleinen Wildwasser das
Roheisen des steirischen Erzberges in vielen hundert Hammerwerken zu weltbekannten Sensen und Sicheln verarbeitet.
„Eisen und Stahl ernähren die Stadt" steht in lateinischer Sprache auf einem der Stadttore in Waidhofen an der Ybbs
geschrieben. Das vieltürmige und trotz seines Alters so heitere Waidhofen ist noch immer der Vorort der Eisenwurzen
und ebenso wie Scheibbs, der Hauptort des Erlauftales, ein Städtchen voll malerischer Winkel, enger Gäßchen und reiz-
voller Kunstwerke.
Die Denkmäler jahrhundertealter Arbeit, die man in den Eisenwurzen in Gestalt verfallener oder noch immer tätiger
Hammerwerke überall findet, geben den Tälern der Erlauf und der Ybbs und ihren Seitenbächen ein ehrwürdiges Ge-
präge. Patrizierhäuser zeugen in fast allen Orten von großer Zeit, da noch die Hammerherren als „schwarze Grafen"
ein nicht immer bescheidenes Leben führten.
Diese bunte Landschaft war die Wiege des Streichquartetts der Kammermusik, denn in Schloß Weinzier! bei Wiesel-
burg erfand der junge Haydn die Viersätzigkeit seiner ersten Quartette.
All dies ist in einen Naturrahmen von seltener Schönheit hineingestellt. Die Ybbstaler Alpen, mit Voralpe, 1769 m, Gams-
stein, 1774 m, Hochkar, 1807 m, und Dürrenstein, 1878 m, alle überragt von dem Felshaupte des Otschers, 1892 m, bedeu-
ten ein Erleben für jeden Touristen. Die Urwaldbestände des Rotwaldes, die grandiose Felsenschlucht der Erlauf in der
14 km langen „Tormäuerklamm" und die „Not" im Steinbachtal bei Göstling, der bei aller Wucht der umrahmenden
Berge doch so anmutige Lunzer See mit seiner biologischen Station und seinen beiden noch höher gelegenen Vorsee-
becken, in deren Nähe sich die Gstettneralm - ein klimatisches Wunder -, der Kältepol von Mitteleuropa, befindet,
dann die Ybbstalbahn an sich mit ihren schwindelerregenden Tiefblicken, und nicht zuletzt Kunstwerke wie das Bene-
diktinerstift Seitenstetten und die gotische Kartause in Gaming und so manche Wegsäule gehören zu den Schönheiten
dieser Landschaft. Ihren höchsten Reiz erreicht sie zur Narzissenblüte, wenn sich die Pfingstwiesen mit dem Blüten-
schnee der Narzissen überdecken und uns den Sommer künden.