Bővebb ismertető
Inhstt
BRIEF DES HERAUSGEBERS 4
ITALIEN
Die Trikolore über Italien 5
NAHER OSTEN
Pyramiden und Fellachendreck 7
SEEKRIEG
Abukir war das Inferno 8
FRANKREICH
2B-Titel: Napoleon stürzt
das Direktorium 12
Ein Mann aus Korsika 14
Madame B. und die Keuschheit 16
ENGLAND
Auf dem Marsch in die neue
Koalition. ZB-Interview 19
PREUSSEN
Von der Koalition in die Isolation 20 KUNST
Armes Versailles: Seine Schätze
wurden verschleudert 22
Die nackte Maja und Goyas
Weltschmerz 22
THEATER
Schillers »Wallenstein« in
Weimar uraufgeführt 24
WELT DES BUCHES Physiker als literarische Sensation 27 MUSIK
Hit des Jahres : Haydns »Schöpfung« 27 GESELLSCHAFT
Mme. de Staël hat sich freigekauft 31
ENTDECKUNGEN
Ein Preuße in der Wildnis 32
WIRTSCHAFT
Englands Baumwollherrschaft bedroht 34 MEDIZIN
Dr. Jenners »Milchmädchenrechnung« 38 MODE
Triumph des Zylinders 39
PERSONALIA 40
WENDEPUNKTE 41
VERBRECHEN
Die »Chauffeurs« aufgerieben 43
Brief
des Herausgebers
»Bürger, die Revolution ist an die Prinzipien gebunden, nach denen sie angetreten ist. Die Revolution ist zu Ende.« Diese markanten Worte stammen aus einer Proklamation Napoleon Bonapartes, des neuen starken Mannes Frankreichs. Sie stützen sich auf handfeste, unwiderrufliche Fakten und dulden daher keinen Widerspruch. Im Buch der französischen Geschichte, das läßt sich schon heute mit großer Bestimmtheit sagen, beginnt ein neuer Abschnitt! Im historischen Rückspiegel betrachtet, steüt sich der Zeitraum zwischen der Hinrichtung Robespierres am 9. Thermidor (27. Juli) 1794 und dem Staatsstreich Napoleons am 18. Brumaire (9. November) 1799 als eine Übergangsphase von höchst ephemerem Charakter dar. Das ist im Grunde nicht verwunderlich. Um die tristen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die nach dem Sturz der Jakobinerherrschaft 1794 in Frankreich herrschten, zu stabilisieren, hätte es überragender Persönlichkeiten und klarer politischer Zielsetzungen bedurft. An bei-dem mangelte es jedoch. Die Männer, die den blutrünstigen Tugendapostel Robespierre dem Schafott überlieferten, waren in ihrer überwiegenden Mehrheit politische Windbeutel, Hasardeure, Spekulanten, die sich skrupellos an die Macht klammenen. Sie bildeten keine homogene politische Gruppierung, sie hatten kein einheidiches Programm. Schon aus diesem Grund waren sie dem Erbe, das sie antraten, nicht gewachsen. Wohl gelang es ihnen, durch die Schließung der Jakobinerklubs und die Auflösung des Pariser Gemeinderates die Herrschaft der Straße zu bannen, aber der Terror setzte sich nun mit umgekehrtem Vorzeichen fort. Die Verfolger von einst, die Jakobiner, wurden zu Verfolgten. Aufstände von rechts und links, von royalistischer wie
von robespierrianischer Seite, wurden mit brutaler Härte niedergeknüppelt, die Anführer hingerichtet oder deportiert. Unter den vielen Versuchen, der Herrschaft der Thermidorianer ein Ende zu bereiten, war jener des François Babeuf der wohl spektakulärste. Babeuf postulierte eine radikale Neuordnung der Gesellschaft nach dem Prinzip der völligen Gleichheit des Besitzes. Die lange vorbereitete, jedoch dilettantische Verschwörung flog auf, der radikal gesinnte politische Utopist büßte seine egalitären Sozialträume mit dem Leben. Nicht minder schlimm erging es 1797 den Drahtziehern eines royalistischen Militärputsches. Sie wurden nach Cayenne deportiert und starben dort am Faulfieber. Die Thermidorianer, die sich als gemäßigt bezeichneten, dabei aber so hart zuschlagen konnten, regienen seit August 1795 auf Grund einer neuen republikanischen Verfassung. Diese basierte auf dem Zensuswahlrecht und schuf an der Staatsspitze ein Direktorium von fünf Männern als Exekutivorgan, während die Gesetzgebung von zwei Kammern, dem »Rat der Fünfhundert« und dem »Rat der Alten«, ausgeübt wurde. Im Grunde etablierte diese Verfassung die Herrschaft des Bürgertums. Aber es war nur ein Teil des Bürgertums, der davon profitierte. Die Aufhebung der Wirtschaftslenkung und der Festsetzung von Höchstpreisen und Höchsdöhnen, die Wiederherstellung des freien Handels, die Überführung der Staatsbetriebe in das Privateigentum öffneten der Profitgier Tür und Tor. Spekulanten, Lebensmittelgroßhändler und Armeelieferanten verdienten Riesensummen, während sich der Lebensstandard der Massen durch Versorgungskrisen und den raschen Verfall der Währung - 1795 betrug der Kurs der Assignaten nur noch 2 Prozent seines Nominalwertes - von Monat zu Monat verschlechterte. Die Kluft zwischen arm und reich wurde immer größer, die sozialen Spannungen entluden sich in Hungerrevolten, die vom Direktorium mit Polizeigewalt niedergeworfen wurden.
Die Instabilität der Lage im Innern wurde übertüncht von den militärischen Erfolgen der französischen Expansion. Der Ruhm der Armee kompensierte das Er-