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EINFUHRUNGDie Beschäftigung mit dem Zeitalter der Entdeckungen blieb in Deutschland, trotz bedeutender Beiträge zu seiner Erforschung von Seiten der historischen und geographischen Wissenschaft seit Alexander von Humboldt, vornehmlich auf die Gelehrten beschränkt. Es ist der Vorzug des vorliegenden Buches in der Serie Zeitalter der Menschheit", geschrieben von einem englischen Kenner der Renaissance, daß es ohne zu viel gelehrten Ballast, wissenschaftlich fundiert mit frischer Farbigkeit den Aufbruch des Menschen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert aus den Grenzen des damaligen Europa beschreibt. Die Befreiung des Geistes von den Weltvorstellungen der Antike und des Mittelalters durch das Experiment der Entdeckungsreisen und die Begegnung mit unbekannten Kontinenten ersteht vor unserem Auge, wie die Entwicklung von Technik, Kartographie und Navigation, die dieses Ausgreifen erst möglich gemacht hat.Vor allem aber steht im Mittelpunkt der Mensch, der das Wagnis auf sich nahm, die unbekannte Welt der Meere mit ihren Gefahren unter unmenschlichen Strapazen und Opfern zu erforschen. Während in unserem populären Vorstellungsbild noch immer die Grausamkeiten der Eroberer - eines Cortez in Mexiko, eines Pizarro in Peru -vorherrschen, ist in dem vorliegenden Band ein Eindruck gegeben von der Furchtbarkeit des Unbekannten, von der Weltweite, die eine Handvoll mutiger Männer in Nußschalen von Segelschiffen überwand, und von der Erweiterung der Horizonte zu einem globalen Schauplatz der bewohnten Erde, die fortwirkte in einer immer größeren Berührung und schließlichen Durchdringung der Kulturen bis zur Herausbildung der einen Welt in Krieg und Frieden, in Handel und Wettbewerb in unserer Zeit.Unter den Motiven der Entdecker erscheint - neben Missionsdrang und Wißbegierde - das wirtschaftliche,der Trieb, Gewilm zu machen durch Handel, als das Entscheidende. Dieser Antrieb beherrschte die Könige und Kaufleute in der europäischen Staatenwelt dieser Jahrhunderte - voran Portugal, Spanien, die Republik der Niederlande, England und Frankreich die allein die Macht und die Finanzkraft hatten, solche Unternehmungen systematisch vorzubereiten und zu tragen, Schiffe auszurüsten und Männer in ihren Dienst zu stellen, die neben dem materiellen Anreiz das Abenteuer lockte und die Erfahrungen, Kenntnisse und Mut besaßen, eine Expedition ins Ungewisse erfolgreich und gewinnbringend zu bestehen.Der gelehrte Verfasser zeigt, wie der Versuch, die (durch den Araberhandel und durch Marco Polo) in ihrer Existenz schon bekannten, als märchenhaft reich geltenden und für den Handelsaustausch Gewinn versprechenden Länder Indien, Japan, China - das sagenhafte Cathay - über See zu erreichen, zur Entdeckung des bis dahin vöUig unbekannten Amerika und des Pazifischen Ozeans, zur Umsegelung Afrikas und der Berührung mit Ostindien, zur Verifizierung Australiens und der Ozeanischen Inselwelt, wie schließlich zu dem - freilich vergebhchen - Kampf um eine Nordwestpassage um Kanada oder eine Nordostpassage um Sibirien herum zu jenen Ländern führte. Wir erleben, wie eine durch praktische Zwecke ausgelöste, durch Ratio und Unternehmungsgeist ermöglichte, viele Nationen und Generationen beschäftigende Anstrengung wissenschafdiche Erkenntnisse erbrachte, die die Bedingungen der menschlichen Existenz und unser Weltbild tiefgreifend veränderten.Die Verbindung der Darstellung mit zeitgenössischem wie modernen Bild- und Kartenmaterial macht das vorliegende Buch für jeden Leser verständlich und anschaulich. Es wird auch in Deutschland dieses epochemachende Zeitalter weiten Kreisen näher bringen.Fritz Fischer Professor für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Hamburg