Bővebb ismertető
Hans Belting
Vorwort
Vor vier Jahren lernte ich auf der Biennale in Venedig einen Künstler kennen, der mir seither einen ganz persönlichen Zugang zur ungarischen Kunst eröffnete. Zwei Jahre zuvor hatte im ungarischen Pavillon Joseph Kossuth ausgestellt, den man aber nicht mehr in Ungarn aufsuchen karm. Jetzt war György Jovänovic im gleichen Pavillon zu Gast. Wir kamen ins Gespräch vor einem in Gips modellierten Motiv, das ich aus der alten Malerei kannte, aus einem Gemälde Giorgiones. Die Installation war seine persönliche hommage an den genius loci von Venedig. Bei Giorgione spielt das Säulengrab auf den Ort an, an dem die mythischen Hirten die Kunst erfunden haben. Es war auch bei mir in das Licht einer gemeinsamen Erirmerimg getaucht, die einen europäischen Reisepaß besitzt, wenn man Motive dieser Art in die Geschichte der Kunst zurück begleitet. Dieser Glaubensakt, der Mut bewies, war für mich eine neue Erfahrung mit zeitgenössischer Kunst. Europa lebt derzeit von dem Glauben, den es von der früheren Peripherie empfängt. Diese Situation stimmt nachdenklich, wenn man sie derm überhaupt ohne Melancholie zur Kenntnis nimmt.
Ein Jahr später fand ich diesen Glauben in dem Publikum wieder, das sich in Budapest um seine Künstler versammelt. Im Museum Kiscell, einem alten Kirchenraum, fand eine Vernissage mit Werken von György Jovänovic statt, auf der ich als Redner eingeladen war. Die Menschen, die hier zusammenströmten, schienen noch zu wissen, was einmal Kultur bedeutet hat. Die professionelle Marktkunst lebt von anderen Maßstäben, was wir inzwischen kaum noch bemerken. Auf dem Lande schloß sich nahe am Plattensee eine Party an, die mich in eine Novelle von Tschechov versetzte. Die Schriftsteller und Künstler gehören in Ungarn nicht, wie bei uns, getrennten Welten an, sondern haben die ungarische Geschichte gemeinsam erlitten und als Stipendiaten ähnliche Abenteuer im Westen bestanden, lange bevor sich die Grenzen öffneten. Diese besondere Symbiose mit dem Westen wird gewöhnlich von der Geschichtsschreibung ignoriert. Wo gibt es eine Literatur über Berlin beiderseits der Mauer, wie wir sie aus den