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Auf Schritt und Tritt ist der moderne Mensch von der Typografie umgeben, doch nur selten begreift er sie als schöpferische Tätigkeit. Ist das gerecht? Im Grunde genommen ja, denn zum einen ist sie nicht immer wahrhaft schöpferisch, zum anderen gehört es zu den Paradoxen der Typografie, daß sie oft gerade dann als vollkommen empfunden wird, wenn ihre Existenz so wenig wie möglich ins Auge springt und die Persönlichkeit des Typografen nicht zwischen Autor und Leser steht. Braucht man dann diese Persönlichkeit überhaupt? Gewiß, sie ist geradezu unerläßlich, ebenso wie der Architekt unerläßlich ist für das Entstehen eines Hauses. Während aber die Geschichte der Architektur längst Bestandteil der Kunstgeschichte ist, strebt die Geschichte der Typografie erst danach, wenngleich keines dieser beiden Schaffensgebiete Kunst im strengen Sinne des Wortes ist. Sie werden zur Kunst erst in ihren Gipfelleistungen. Ein gewöhnliches Haus und eine übliche Druckschrift sind lediglich Bestandteile der allgemeinen Zeitkultur, das Niveau beider regt jedoch unser Lebensgefühl an. Die Analogie von Architektur und Typografie sind übrigens ein dankbares und oft erwähntes Thema, wenn von Typografie allgemein gesprochen wird. / Wenden wir uns
nun aber der tschechischen Typografie zu. Unlängst feierten wir den relativ frühen Beginn des Buchdrucks in Böhmen, vorausgesetzt, daß die Krónika trojánská 1468 in Pilsen gedruckt wurde. Die weiteren tschechischen Inkunabeln aus der Zeit vor 1500 sowie die in den böhmischen Ländern in den weiteren Jahrhunderten gedruckten Bücher sagen viel über die Wurzeln der schwarzen Kunst. Mit der fortschreitenden industriellen Revolution scheint dann
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