Bővebb ismertető
Gautama Buddha saß sieben Wochen in einer Felsenhöhle, schweigend, in die Geheimnisse seiner Seele versunken. Dann erhob er sich, trat vor seine Schüler und begann ihnen den Weg zur Erlösung darzulegen. Mitten in seiner Rede stockten seine Worte plötzlich für einen unmerklich kurzen Augenblick. Er pflückte eine rote Blüte von den Zweigen eines Strauchs vor der Felswand und drehte sie zwischen den Fingern hin und her. Bis auf einen entging seinen Schülern diese Geste - nur Kashyapa sah die Blüte in der Hand des Meisters und lächelte. Er hatte verstanden, was Erlösung ist. In dieser Legende wird anschaulich gemacht, wie Zen sich selbst begreift: Es ist die plötzliche Erleuchtung, die Mitteilung der letzten Wahrheit jenseits von Wort und Gedanke.
Das Wort »Zen« bedeutet soviel wie Kontemplation, Selbstversenkung. Doch auf die Frage »Was ist Zen?« gibt es keine endgültige Antwort. Denn die Lehre des Zen selbst widersetzt sich jeder Aussage über ihren tiefsten Inhalt, über eine Erkenntnis dessen, was unsagbar und nicht benennbar ist. Wesentlich ist also das persönliche Erleben einer Antwort auf die Grundfragen menschlicher Existenz.
Die Inhalte dieser eigenwilligen und immer zutiefst persönlichen Antwort können weder durch Wort und Schrift erfaßt noch in Begriffe gefaßt werden. Sie lassen sich höchstens durch spielerische Formulierungen umschreiben.
Deshalb lehnt Zen die schriftliche Überlieferung ebenso ab wie die verstandesmäßige Diskussion über Grundfragen menschlicher Existenz. In zahllosen Anekdoten, Versen und Dialogen umspielt die Literatur des Zen-Buddhismus die Botschaft: Es gibt Dinge, die zu ernsthaft sind, als daß man sie ernst nehmen dürfte. Entstanden sind diese Dialoge mit ihrer verblüffend widersinnigen Logik und den Geschichten mit ihren unverständlich-verständlichen Pointen vom 6. Jh. n.Chr. an als Übungsstücke für die Novizen des Zen. Im forschenden Grübeln über den unfaßbaren Sinn dieser Dialoge soll der Verstand angesichts seiner eigenen Unfähigkeit zur Lösung den Weg freigeben für das Einströmen einer höheren, das Denken übersteigenden Wahrheit.