Bővebb ismertető
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Es ist mir eine Freude, daß ich diese Biographie von Papst Johannes Paul II. einer deutschsprachigen Leserschaft vorlegen kann. Gleichzeitig möchte ich damit einen Dank aussprechen.
Die Weltkirche des 21. Jahrhunderts hat dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts für vieles zu danken: für seine bemerkenswerte Freigebigkeit gegenüber den jungen Kirchen der dritten Welt, für seine pastoralen Initiativen, doch wohl vor allem für seine geistigen Beiträge zum katholischen Glauben und Glaubensleben. Ob es um Bibelexegese, systematische Theologie, Moraltheologie, liturgische Erneuerung oder die katholische Soziallehre geht -der deutsche Katholizismus hat in dem weltweiten Bemühen, das katholische Zeugnis in der Gegenwart zu erneuern und zu reformieren, eine fuhrende Rolle gespielt. Eine maßgebliche Deutung des II. Vatikanischen Konzils bezeichnete jenes epochale Ereignis in der Geschichte der katholischen Kirche nicht umsonst als einen Zeitabschnitt, in dem der Rhein in den Tiber floß.
Angesichts dieser eindrucksvollen Tatsachen ist es um so rätselhafter, daß das Pontifikat Johannes Pauls IL - das der katholischen Kirche einen beispiellosen moralischen Einfluß im Weltgeschehen verschafft und gleichzeitig die Kirche selbst zu einem erneuerten Verständnis ihres Wesens und ihrer Sendung herausgefordert hat - in Deutschland, ja in allen deutschsprachigen Ländern, so kritisch beurteilt wird. Wie ist es dazu gekommen?
Die übliche Erklärung lautet, dieses Pontifikat spiegle eine „vor-moderne" Geisteshaltung wider, die zu der Welt von heute nicht mehr passe. Doch ein kurzer Blick auf das Leben Karol Wojtylas vor seinem Pontifikat läßt erkennen, daß die gängige Meinung in diesem Fall gewaltig irrt.
„Vor-modern" ist keine angemessene Kategorie, um die geistige Entwicklung eines Mannes zu verstehen, dem Ende der 40er Jahre gewisse Aspekte der neuscholastischen Theologie, die er im Priesterseminar und während des Studiums kennengelernt hatte, eindeutig mißfielen. „Vor-modern" ist keine angemessene Charakterisierung eines jungen Wissenschaftlers, der sich bewußt dafür entschied, für seine Habilitation die Phänomenologie Max Schelers zu untersuchen, und der sich während der ganzen 50er Jahre tatkräftig an Bemühungen beteiligte, die philosophische Anthropologie zu erneuern. Es erscheint auch unangebracht, einen Mann als „vor-modern" zu bezeichnen, der in den Jahren unmittelbar vor und nach dem II. Vatikanum zu den geistig aktivsten Bischöfen Europas zählte: der bewußt den Gedankenaustausch mit Philosophen, Theologen, Historikern, Naturwissenschaftlern und Künsüern ganz