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GESCHICHTLICHES
VON MIRELLA KARPATI
Wer sind die Zigeuner? Woher kommen sie? Warum leben sie anders als wir? Seit Jahrhunderten begleiten diese Fragen die Zigeuner auf ihren ewigen Wanderungen auf den Straßen der Welt. Die Legende hat um sie einen mythisch-magischen Hauch gewoben, der abstoßend und zugleich anziehend wirkt; Vorurteile haben aus ihnen armselige Vagabunden und Parasiten gemacht; nur wenige anerkennen, daß sie eine ethnische Gruppe mit eigener Kultur sind.
All das kommt wahrscheinlich auch von der Unklarheit, die lange über ihre Herkunft geherrscht hat. So entstanden die merkwürdigsten Vermutungen: sie seien die letzten Bewohner von Atlantis; die Siginnen, die bei Herodot genannt werden; Nachkommen Chams, des von Noa verfluchten Sohnes; die Sinten, die nach Homer den Vulkan aufgenommen hätten, als er vom Vater Zeus vom Olymp auf die Insel Lemnos gestürzt wurde; die Ägypter, die die Heilige Familie nicht aufgenommen hatten; sarazenische Piraten; türkische Spione. In jüngerer Zeit wurden sie allgemein als asozial betrachtet. Sie sprechen die geheime Sprache der Unterwelt, das Rotwelsch.
Die Philologie entdeckte die Ähnlichkeit der von den Zigeunern gesprochenen Sprache (Römanes) mit indischen Dialekten, und seit den Studien Rüdigers (1782) und Grellmanns (1787) haben die philologische Forschung und die Analyse alter Chroniken das Schreiben einer Geschichte dieses Volkes ohne Geschichte (weil ohne Schrift) ermöglicht. Aus der Untersuchung der phonetischen Struktur des Römanes glaubte man ableiten zu können, daß die Zigeuner einem oder mehreren Stämmen angehörten, die ursprünglich in Zentralindien wohnten und sich später In den nordwestlichen Gegenden angesiedelt hätten; von dort hätten sie den Auszug gegen Westen begonnen. 7