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Ein Pole fragte mich neulich: »Warum seid ihr Deutschen eigentlich so verdrossen und pessimistisch? Überall seht ihr Katastrophen, dabei geht's euch doch so gut wie nie zuvor.« Nachdenklich setzte er nach einer Weile hinzu: »Mag sein, daß es schwerer ist, mit Anstand reich zu werden, als in Gelassenheit Armut zu ertragen.«
Wahrscheinlich hat er recht. Wohlstand - materielle Güter allein - reicht offenbar nicht aus, um dem Menschen Befriedigung zu verschaffen. Er braucht auch etwas für Seele und Gemüt. Die Physis bedarf der Metaphysik als Entsprechung.
Die in dem vorliegenden Buch gesammelten Überlegungen zum Thema Ethik gehen alle davon aus, daß in der Industriegesellschaft ein grundlegender Wertewandel stattgefunden hat: weg von den überkommenen Werten wie Pflichterfüllung, Verantwortung tragen, Gemeinsinn üben - hin zu einer individualistischen Orientierung auf Eigennutz, Selbstverwirklichung und hedonistischen Materiahsmus.
Meine ganzen Betrachtungen gehen von der Frage aus: Wie kommt es, daß heute alles Interesse auf das Wirtschafdiche fixiert ist und das Geistige, Kulturelle, Humane, das doch das Wesen Europas ausge-