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Hans Gunter Hoke - Zu Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge" [antikvár]

Zu Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge" [antikvár]

Hans Gunter Hoke

 
Dieser leibnizische gedankliche Unternehmungsgeist, verbunden mit einer fast wissenschaftlichen Durchdringung und Erfassung der Tonmaterie, ist auf demselben Boden gewachsen, auf dem die deutsche Aufklärung sich zu entfalten begann: auf dem im Zuge des bürgerlichen Aufstiegs erfolgenden Fortschritt der exakten Wissenschaften, auf der wachsenden Erkenntnis der Naturgesetze. Hier hat Bach, ein ^entfesselter Prometheus< des Denkens, wahrhaft revolutionär gewirkt. In diesem Sinne ist Bach ein echter >Aufklärer
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Dieser leibnizische gedankliche Unternehmungsgeist, verbunden mit einer fast wissenschaftlichen Durchdringung und Erfassung der Tonmaterie, ist auf demselben Boden gewachsen, auf dem die deutsche Aufklärung sich zu entfalten begann: auf dem im Zuge des bürgerlichen Aufstiegs erfolgenden Fortschritt der exakten Wissenschaften, auf der wachsenden Erkenntnis der Naturgesetze. Hier hat Bach, ein ^entfesselter Prometheus< des Denkens, wahrhaft revolutionär gewirkt. In diesem Sinne ist Bach ein echter >Aufklärer<', der gemeinsam mit den fortschrittlichen Vertretern der Naturwissenschaft und Philosophie seiner Epoche eine neue Zukunft kündet: die der Vormacht des aktiven, forschenden Denkens über das Dogma.^ Ernst Hermann Meyer Wenige Monate, bevor in Eisenach Johann Sebastian Bach geboren wurde, faßte in Cambridge Isaac Newton am Ende seines dreibändigen Hauptwerkes >Philosophiae naturalis principia ma-thematica<2 einen der bezeichnendsten Aspekte seiner materialistischen Wissenschaftstheorie in dem berühmten Satze zusammen: >Hypotheses non finge.< Hypothesen ersinne ich nicht, denke ich mir nicht aus, lege ich mir nicht zurecht! Der Satz zog nicht etwa die Hypothese als solche in Zweifel.^ Als unentbehrliches Hilfsmittel bei der Erklärung anders noch nicht zugänglicher Sachverhalte hatte sie der große Gelehrte selbst klug zu handhaben gewußt. Vielmehr bedeutete der Satz eine nicht mißzuverstehende Kampfansage an diejenigen unter seinen Kollegen, die es — geschehe was da wolle — nicht lassen konnten, Spekulationen über Sachverhalte anzustellen, zu deren natürlicher Erklärung das vorhandene Wissen weit zuverlässigere Anhaltspunkte bot. Als im Inflations-, Notstands- und Krisenjahre 1923 das exklusive Berliner Musikalien-Auktionshaus Leo Liepmannssohn dem sechzehnjährigen Wolfgang Graeser^ im Villenvorort Nikolassee ein kostbares Exemplar des Nägeli-Druckes der Kunst der Fuge beschaffte^, konnte niemand ahnen, daß damit zu einem Zeitpunkt, als die Musikhistorie längst über Anhaltspunkte zu echter wissenschaftlicher Hypothesenbildung verfügte, der Anstoß zu einem ihrer spekulationsfreudigsten Kapitel gegeben war.® Allerdings fanden solche Spekulationen wenn nicht im Werke selbst, so doch in dessen äußerem Erscheinungsbild die denkbar günstigsten Voraussetzungen vor. Als Bachs letzte große Arbeit, gleichsam als sein künstlerisches >Testament<, durfte die Kunst der Fuge der besonderen Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein; ihre >Wiederentdeckung<, ihre >Uraufführung< lagen sozusagen in der Luft. Daß Bach allem Anschein nach über dem Werke verstorben war, ja daß man — unmittelbar nach der thematischen Durchführung seines eigenen Namens — die Stelle leibhaftig zu sehen und zu hören meinte, wo der Sensenmann dem Musiker den Federkiel aus der Hand genommen, gab dem Torso das Odeur des Sensationellen. Der von den Herausgebern als Entschädigung für den fehlenden Schlußteil der unvollendeten letzten Fuge beigegebene Orgelchoral >Wenn wir in

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Cím: Zu Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge" [antikvár]
Szerző: Hans Gunter Hoke
Kiadó: VEB Deutscher Verlag für Musik
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 150 mm x 220 mm
Hans Gunter Hoke művei
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