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Kultureuropa und Wirklichkeit Themen und ÜberschreitungNoch nie in der Geschichte wurde soviel und intensiv von Europa gesprochen wie jetzt. Daß dies geschieht, hat mehrere ürsa-chen. Die wichtigste ist, daß trotz mancher Rückschläge ein deutlicher Wunsch nach einem geeinten Europa besteht, der gleichzeitig regionale Identitäten nicht ausschließt, sondern sie sogar bewußtmachen will. Die Einheit der Vielfalt klarer Identitäten wird angestrebt, ein ideales Ziel also, an das sich anzunähern jene besondere europäische Qualität erfordert, die nur mit Mühen durch unermüdliches Tun und Denken erreicht werden kann: Die Balance zwischen entschiedenem Willen zur Einheit und gleichzeitiger Toleranz ist die wichtigste Probe für die europäische Zukunft.In den aufregenden letzten Jahrzehnten gab es überreich Gelegenheit, aus eigenem Schicksal Wesentliches über Europa zu erfahren. Und eine fast dreitausendjährige Geschichte kann uns helfen, dieses Europa zu erkennen und seine Möglichkeiten im Sinn der Gemeinsamkeit mit mehr Erfolg als bisher zu verwirklichen - dennoch ist dieser Weg voller Ungewißheiten. Um ein genaueres Bewußtsein der von so vielen als notwendig und sinnvoll anerkannten Aufgaben zu gewinnen, will ich nun so beginnen:Europa erstand mit den Europäern. Eine Göttin aus Asien oder eine mythische Königstochter, die von Zeus entführt wurde, trug in der griechischen Mythologie diesen Namen. Bald nannten die Griechen den eigenen Erdteil Europa, aber die geographischen Grenzen dieser Landspitze Asiens blieben bis heute ungewiß: Nie sind sich alle einig, wo Asien aufhört und Europa beginnt. Seit Herodot und Hippokrates aber tragen jene, die hier leben, arbeiten, denken, schreiben, dazu bei, dieses Europa unbewußt oder bewußt zu gestalten. So wurde Europa weit über die geographische Bezeichnung hinaus ein kultureller Begriff. Die-.' fi '' ;:II