Bővebb ismertető
ZUM SYSTEM DER KÜNSTE
DENES ZOLTAI
(Ungarn)
Ich fühle mich veranlaßt — meine Damen und Herren — mit der Fragestellung zu beginnen : Hat die Kunst überhaupt noch eine Existenz ? Es dünkt mich, als ob in der Kunsttheprie unserer Tage ein merkwürdiger Nominalismus aufgekommen wäre. Es war bereits Conrad Fiedlers Theorie von der reinen. Visualität durchdrungen von der Überzeugung, daß die Kunst an sich eine blutlose Abstraktion sei, ein Gattungsbegriff, der das Besondere und das Einzelne in einer tyrannischen Weise subsummiert. In Wirklichkeit gebe es doch bloß heterogene Künste : Malerei und Architektur, Lyrik und Kunstgewerbe, Skulptur und Film; und wenn einer sich dächte, gemeinsame Gesetzmäßigkeiten zwischen ihnen entdecken zu können, der würde die in der Werkstatt logischer Pedanterie verfertigte Uniform den miteinander unversöhnlichen kultiu-ellen Objektivationen anhängen. Der ästhetische iiominalismus unserer Zeit nimnit mit besonderer Vorliebe auf die neuste Kunsterfährung Bezug, beispielsweise darauf, daß sich die Demarkationslinien zwischen den Gattungen ausfransen. Bs handelt sich bei weitem nicht um das schon längst bekannte Verblassen der klassischen Gattungsgrenzen ; vielmehr darum, daß sich die heutzutage in Verbreitung befindliche Promiskuität der Gattungen den Sinn der Kunst selbst mit einem Fragezeichen zu versehen scheint. Man denke an den neueren musikalischen Konstruktivismus graphischer Inspiration, oder an jene synthetischen Prosatexte, welche — auf jeden Sinn verzichtend — gemäß den Prinzipien serialen Tonwerk-Komponierens entstehen. Im Anschluß daran fragt nicht allein der Durchschnittshörer und der Durchschnittsleser. Ja, soll das noch Musik sein ? Soll das noch Poesie sein? Auch die Theorie vermag darüber nachzusinnen, ob die Idee der Kunst in jenen Künsten noch gegenwärtig ist. Die Antwort des ästhetischen iiominalismus ist im emphatischen Sinne des Wortes negativ. 1966 prägte Adorno die nachfolgende Formulierung: „Eine solche Idee der Kunst in den Künsten ist aber nicht positiv, nichts in ihnen einfach Vorhandenes, sondern einzig als Negation zu fassen". AUein negativ hat man, was inhaltlich, über den leeren klassifikatorischen Begriff hinaus, die Kunstarten vereint: alle stoßen sich ab von der empirischen Realität, aUe tendieren zur Bildung einer dieser qualitativ sich entgegensetzenden Sphäre : geschichtlich säkularisieren sie die magische und sakrale". Die Ablehnung logizistischer Klassifikation hängt hier mit dem Erlebnis der Krise der im herkömmlichen Sinne verstandenen Krmst aufs engste zusammen. Adorno sagt: „Die Geschichte der neuen Kunst ist in weitem Maß die nach unwiderruflicher Logik verlaufende vom mataphysischen Sinnverlust".