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Vorwort
Das 1975 herausgekommene Heft »Jüdischer und christlicher Glaube«, in dem vier von mir in der »Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum« gehaltene Vorträge zusammengestellt worden sind, war innerhalb weniger Wochen vergriffen, ein Zeichen für das Interesse, das damals schon in christlichen Gemeinden der DDR für jüdischen Glauben und jüdisches Leben bestand. In der Zwischenzeit hat, ausgelöst vor allem durch die Veranstaltungen zum vierzigsten Jahrestag des November-Pogroms von 1938, der sogenannten Kristallnacht, dieses Interesse erheblich zugenommen. Das zeigt sich u. a. an den Besucherzahlen der Jahrestagungen der »Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum« in Leipzig, und es ist nicht minder spürbar bei den von ihr gemeinsam mit der »Israelitischen Religionsgemeinde« veranstalteten Vortragsabenden. Die gleiche Beobachtung wie in Leipzig läßt sich auch in Berlin, Magdeburg und Dresden machen, wo große Scharen, besonders von jungen Menschen, Vorträge und Veranstaltungen über jüdische Themen besuchen.
Es geht dabei nicht mehr wie vor Jahren um eine Auseinandersetzung mit dem Judentum, hinter welcher der Versuch einer Gewinnung von Juden für den christlichen Glauben steht. Was diese jungen Menschen suchen, sind erweiterte Kenntnisse über die religiösen Vorstellungen, die Sitten und Gebräuche der Juden, einfach aus Anteilnahme an diesen Menschen, die so Furchtbares unter dem Naziregime zu erdulden hatten.
Diesem gewandelten Interesse tragen die »Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum« in Leipzig und die »Arbeitsgemeinschaft Judentum und Christentum« in Berlin sowie andere Gesprächskreise Rechnung. Bei ihren Zusammenkünften werden in wachsendem Maße Themen behandelt, die grundlegende Züge des jüdischen Glaubenslebens zum Inhalt haben. Es werden hierbei auch, weil immer wieder danach gefragt wird, so schwierige Fragen wie die der jüdischen Schriftauslegung nicht ausgespart. Selbstverständlich wird dabei auch das Gespräch mit jüdischen Menschen gesucht.
In diesem Kontext sind die hier wiedergegebenen Vorträge zu sehen. Häufig bin ich gebeten worden, Vorträge über Themen zur jüdischen Religion oder zum jüdisch-christlichen Gespräch zu halten, und ich habe mich diesem Wunsche nicht verschlossen. Damit diese Vorträge einem breiteren Kreis
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