Bővebb ismertető
ZUR GESCHICHTE DER TEMPORA IM UNGARISCHEN
B. KÁLMÁN
1. Im Leben einer jeden Spraciie wiricen zwei entgegengesetzte Tendenzen, nämlich das Streben nach Einfachheit aber auch nach einem genaueren, nuancierteren Ausdruck. Bald wirkt sich die eine, bald die andere Tendenz stärker aus. Eine Teilstruktur scheint eine beinahe vollkommene Entwicklungsstufe zu erreichen; bald darauf wird ihre Systemhaftigkeit plötzlich aufgelöst, indem parallele Formen mit der gleichen Bedeutung entstehen; von ihnen erweisen sich einige als überflüssig, die dann nach ein paar Generationen veralten, oder von zwei parallelen Ausdrucksformen wird sich nur die eine behaupten können. Es ist oft äusserst schwierig, die Ursache von solchen Veränderungen zu erkennen. Die Literatursprache wirkt manchmal für lange Zeit hemmend auf die Herausbildung einiger Tendenzen ein; es kann auch vorkommen, dass sich geschriebene und gesprochene Sprache für eine gewisse Zeit trennen. In dem Falle gibt es zwei Möglichkeiten : entweder passt sich die Schriftsprache der gesprochenen Sprache an (was meistens erst mit gewisser Verspätung erfolgt), sie lockert etwas an ihren strengen Regeln, sie übernimmt neu entstandene Formen oder lehnt schon veraltete Varianten ab.
Will die Literatursprache aber diesen Kompromiss nicht eingehen, dann kann sie sich von der gesprochenen Sprache vollkommen lösen und auf diese Weise entsteht eine sakrale oder gelehrte Sprache, wie das Lateinische, das Kirchenslawische oder neuerdings das norwegische riksmäl im Vergleich zum landsmäl. Eine ähnliche Erscheinung war auch die mit arabischen Elementen vollgestopfte literarische und offizielle Sprache der Türkei im Gegensatz zum gesprochenen Türkischen bis zu den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Manchmal kann dann eine zur Sakralsprache erstarrte, gestorbene Literatursprache auf künstliche Weise wieder zum neuen Leben erweckt werden, wie im Staat Israel, wo in unserem Jahrhundert das Hebräische zur offiziellen Sprache wurde.
Das Französische hat im Laufe der lautlichen Veränderungen sein ganzes von dem Lateinischen geerbtes Kasussystem verloren. Im Altfranzösischen wurde die Deklination auf nur noch zwei Kasus reduziert;