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Vorwort
»Jeder, der etwas von der Geschichte weiß«, schrieb Karl Marx am 12. Dezember 1868 an seinen Freund, den Hannoveraner Arzt Ludwig Kugelmann, »weiß auch, daß große gesellschaftliche Umwälzungen ohne das weibliche Ferment unmöglich sind. Der gesellschaftliche Fortschritt läßt sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts «1 Auch die deutsche Geschichte von den Anfängen der industriellen Revolution bis zur Befreiung unseres Volkes vom Faschismus offenbart eindrucksvoll die tiefe Wahrheit dieses Gedankens. Die Stellung der Frau macht Größe und Grenzen des im Rahmen der kapitalistischen Entwicklung durchgesetzten historischen Fortschritts sichtbar. Sie zeigt zugleich das Leid und Elend, das insbesondere der Imperialismus und seine Eroberungspolitik auch über Millionen Frauen des deutschen Volkes brachte. Vor allem aber zeigen die Auseinandersetzungen um die Rechte der Frau die auf der geschichtlichen Bühne agierende revolutionäre Arbeiterklasse als Träger des historischen Fortschritts, als wirklichen Interessenvertreter der Frauen - nicht nur der eigenen Klasse - und als Vorkämpfer ihrer Befreiung und Gleichberechtigung. Letztlich war aller Fortschritt, der in der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Deutschland erreicht wurde, vor allem die Frucht ihres Kampfes, eines Kampfes, der von dem Grundsatz getragen wurde: »Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und die Gleichstellung der Geschlechter.«2 Die Verdienste anderer fortschrittlicher Kräfte, nicht zuletzt der progressiven Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung, sind damit nicht geschmälert. Vielmehr zeigt die Geschichte, daß ihre Ideale nur an der Seite der Arbeiterklasse zu verwirklichen sind, zugleich, daß die Menschenrechte der Frau allein im gemeinsamen Kampf von Mann und Frau für die Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft errungen werden können. Nicht weniger wird deutlich, daß der Kampf der deutschen proletarischen Frauenbewegung stets eng mit dem Kampf der internationalen Arbeiterklasse für die Befreiung der Frau verbunden war. Immer wieder empfingen die Frauenpolitik der revolutionären Partei der deutschen Arbeiterklasse und die proletarische Frauenbewegung in Deutschland davon kraftvolle belebende Impulse - wie sie auch ihrerseits zur Entwicklung, Stärkung und Festigung der internationalen proletarischen und demokratischen Frauenbewegung in mannigfaltiger Weise beitrugen.
Die vorliegende Chronik entspricht zweifellos einem breiten gesellschaftlichen Bedürfnis, wird doch heute sowohl innerhalb wie außerhalb unseres Landes immer wieder die Frage gestellt, mit wel-
1 Marx/Engels, Werke, Band 32, Berlin 1965, S. 582/583.
2 August Bebel, Die Frau und der Sozialismus, Berlin 1979, S. 5.