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Vorwort
Die vielfach unreflektierten sogenannten „nichtehelichen Lebensgemeinschaften" zwischen jungen aber auch älteren Menschen machen eine Krise der kulturellen Gestaltung des Zusammenlebens von Mann und Frau offenkundig. Die Art und Weise, wie Männer und Frauen miteinander wohnen und einander beiwohnen, hat sich — vor unser aller Augen — in den letzten Jahren in einem für kulturelle Gewohnheiten dramatisch raschen Tempo verändert. Das stellt nicht nur an die Betroffenen — diese müssen eine neue Beziehungskultur aushandeln — sondern auch an Eltern, an Erzieher, Politiker und Seelsorger neuartige Herausforderungen.
Fragen stellen sich und werden auch kontrovers diskutiert:
— Ist die unbestreitbare Entwicklung ein kultureller Niedergang.' Kommt das Ende der Institution Ehe? Bilden sich neue Lebensmuster, die lediglich für die privaten kleinen Lebenswelten auf Grund persönlicher Übereinkunft gelten? Wie tragfähig sind diese? Was ist, wenn diese Lebensarrangements auch Dritte, vor allem Kinder betrifft? Bilden die neuen Formen des Zusammenlebens von Mann und Frau — wie soll man sie benennen, ohne schon im Begriff eine Wertschätzung oder Verurteilung mitzuliefern — ausreichend Sicherheit sowie Wachstumschancen, und zwar sowohl für die Partner wie für Kinder, die sie zur Welt bringen? Kinder verlangen nach Stabilität und Liebe: Sind die neuen Formen des Zusmamenlebens solche für Kinder allein bio-phile Lebensorte?
— Solche Fragen, die schon in der säkularen Kultur um der betroffenen Menschen willen zu stellen sind, spitzen sich in der (kathohschen) Kirche zu. Das Institut der monogamen Ehe ist in der katholischen Tradition mit hohem religiösen Gewicht versehen. Die Ehe gilt als Sakrament. Zudem ordnet die katholische Sexualmoral die erotisch-sexuelle Begegnung ausschließlich der (kirchenrechtlich gültig geschlossenen sakramentalen) Ehe zu. Die neuen Formen des Zusammenlebens beanspruchen aber andere Prinzipien, die den christlichen nicht in jeder Hinsicht gegensätzlich sind, und sich von diesen doch erheblich unterschei-