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I
»Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr die alten Chansons uns auch heute noch zu Herzen gehen.« Dr. Bruckner und Dr. Heidmann saßen im Keller der Badischen Weinstuben; Dora Dorette, eine bekannte Chansonsängerin, hatte gerade ihren Vortrag beendet. Sie verneigte sich und dankte für den enthusiastischen Beifall der meist jungen Leute, die den Kellerraum füllten. Die Menschen saßen auf der Treppe oder auf dem Fußboden, und auf einem Stuhl drängten sich immer zwei Besucher. Es war eine Atmosphäre, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte. Die beiden Ärzte applaudierten ausdauernd mit.
»Es ist schade, daß man diese alten Chansons heute so selten hört.« Thomas Bruckner winkte der Dorette zu, als sie an ihm vorbei zum Ausgang ging. Lächelnd schaute er ihr nach. »Sie hat noch mit dem Altmeister des deutschen Kabaretts gearbeitet, mit Willi Schäffers.« Seine Blicke folgten ihr die Treppe hinauf. »Sie ist —«, er hielt mitten im Satz inne und faßte nach Heidmanns Arm. »Schauen Sie mal dort! Ist das nicht. . .«
». . . Angele Eichhorn«, vollendete Heidmann den Satz des Freundes. »Unsere Famula von der Frauenstation.« Johann Heidmann hatte sich halb erhoben, aber Bruckner drückte ihn lächelnd auf seinen Sitz zurück. »Sie scheint Ihnen zu gefallen, nicht wahr?«
Dr. Heidmann schnalzte mit der Zunge. »Sie ist genau meine Kragenweite, wie man so schön sagt. Sie fiel mir schon auf der Station ein paarmal auf, aber ich hatte noch nie Gelegenheit, mit ihr zu sprechen. Jetzt wäre doch . . .« Heidmann seufzte komisch. »Oder —«, ein zweifelndes Lä-