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Selbstverständigung
Ist das Leben eines Frauenarztes sensationell?
Gerade als ich zusammengetragen hatte, was in diesem Buch stehen sollte, flatterte mir ein Brief ins Haus:
«Sehr geehrter Herr Professor! Am i. Oktober 1954 kam ich zu Ihnen als das Mädchen Irene aus T . . . Nachdem ich siebenmal operiert worden war, konnte ich die Klinik als Robert nach K . . . verlassen und umziehen, wohin meine Mutter und Schwester, die ich noch betreuen mußte, bereits umgesiedelt waren. Es ist kaum zu glauben, daß es nun zwanzig Jahre sind, seit Sie mir zu einem neuen Leben, dem Leben eines frohen Menschen verholfen haben. Ich bin seit 1958 verheiratet. Uns wurden zwei gesunde Kinder geschenkt, das Mädchen ist jetzt fünfzehn Jahre und der Junge dreizehn Jahre alt. Von beiden sowie von der ganzen Familie lege ich Ihnen ein Foto bei. Mir geht es. sehr gut, was ich Ihnen gern persönlich gesagt hätte. Vielleicht finden Sie eine Möglichkeit, daß ich Ihnen meine Familie vorstellen kann »
Ein sicher nicht alltäglicher Brief. Er nahm Bezug auf Operationen, die auch im Leben eines Frauenarztes und Chirurgen nicht allzu häufig sind. Dennoch habe ich eine Reihe von Ge-schlechtsumstimmungen - nach gründlicher Beratung und entsprechenden gesetzlichen Schritten - vorgenommen. Allerdings meistens nach der anderen Richtung: Manche Frau fand ihr menschliches Glück erst, nachdem sie durch eine Operation wirklich zur Frau geworden war.
Operationen dieser Art, so selten sie auch waren, gehörten zu meinem Handwerk. Jeder, der seinen Beruf liebt, in ihm aufgeht, wird bei einigem Nachdenken auf Dinge kommen und über sie berichten können, die anderen ungewöhnlich, überraschend, einzigartig erscheinen. Doch sensationeil? Kisch sagte einmal, es gäbe nichts Sensationelleres als die Zeit, in der man lebt. In der Tat liegt das Erregendste der Geschichte eines Menschen darin, wie et in der Zeit besteht, mit der Zeit geht.