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VORWORTZwölf Geistliche Gesänge mit vier Stimmen, die Heinrich Schütz Jn seinen Nehen-Stunden auffgesetzet", selber aber nicht veröffentlicht hatte, sind von dem kurfürstlich sächsischen Organisten Christoph Kittel zusammen getragen" und mit Schützens Erlaubnis im Jahre 1657 zum öffentlichen Druck befördert" worden. Kittel war schon einige Jahre Erzieher und Gesanglehrer der Kapellknaben, als er 1645 seine Bestallung als Hoforganist erhielt. Er hat gemeinsam mit dem Hofkantor Johann Georg Hofkonz in den vierziger Jahren, wenn Schütz nicht in Dresden war, den Kapelldienst geleitet.Im Begleitwort seiner Ausgabe sagt Kittel, er habe sich bemüht, allerhand Musicalische Sachen" Schützens zu sammeln, um damit die ihm untergebenen Kapellknaben zu exerciren"; dabei seien ihm unter andern auch diese zwölff Stücke in die Hände gekommen ", die er nun zu Gottes Ehren und Christlichen nützlichen Gebrauch/ in Kirchen und Schulen" veröffentliche. Nach der Angabe im Titel sind sie für kleyne Canto-reyen zum Chor" bestimmt. Und obwohl ein Bassus continuus beigegeben ist, betont Kittel im Begleitwort, daß diese Composition für einen völligen Chor! auch ohne die Orgel Vocaliter und Instrumentaliter zu musiciren eigendlich gemeinet und eingerichtet/ Daher auch der Bassus continuus nicht aus noht/ sondern nur nach beliebung dabey zu gebrauchen" sei. Nur auff Gutachten des Buchhändlers" wäre der Generalbaß aufgesetzet/ und zugleich mit herausgegeben worden". Wie die Geistliche Chor-Music von 1648, in deren Titel betont wird, daß der Bassus Generalis auff Gutachten und Begehren/ nicht aber aus Nothwendig-keit beigegeben" sei, können und sollen auch die Zwölf Geistlichen Gesänge rein vokal aufgeführt werden. Doch sollten die Herren Organisten/ welche etwa mit ihrer Orgel einzustimmen gedencken/ dero-wegen freundlich erinnert werden/ wo nicht das gantze Wercklein jedoch etzliche Stücke daraus/ bevorab aber die Meß und das Magnificat/ in ihre gewöhnliche Tabulatur oder Partitur zu übersetzen/ und daraus mit einzuspielen."Der sehr verschiedenartige Inhalt dieser Sammlung ist einmal damit zu erklären, daß der Herausgeber Kittel unveröffentlichte Werke von Heinrich Schütz zusammen getragen" hat, zum andern aus der Zweckbestimmung für kleine Cantoreyen", d.h. solche, die vier Stimmen besetzen und Werke mittleren Schwierigkeitsgrades bewältigen konnten. Unter den zwölf Tonsätzen bilden sechs die Meß", nämlich je ein Kyrie, Gloria und Credo sowie die Einsetzungsworte und der III. Psalm, der schon in seiner ältesten Quelle, dem Gesangbuch von J. Klug, Wittenberg 1533, dafür bestimmt ist, zu singen, wenn man das Sacrament empfehet". Auch die deutsche Sequenz Grates nunc omnes reddamus, die ursprünglich demWeihnachtfest zugeordnet war, ist durch die Änderung des Textes der uns mit seiner Geburt hat erleuchtet" in mit seinem Wort" als ein allgemein durchs ganze Kirchenjahr verwendbarer Gesang in Sachsen üblich gewesen. Unmittelbar darauf folgt das deutsche Magnificat, das im Vespergottesdienst gesungen wurde. Wenn also Kittel diese Stücke den Organisten als diejenigen nennt, die bevorab" für eine Begleitung durch die Orgel in Frage kommen, dann ist ihre Sonderstellung darauf gegründet, daß sie in der Gottesdienstordnung einen festen Platz haben. Auch die deutsche Litanei gehört, wie das Magnificat, in den Vespergottesdienst; sie ist bereits in dem Enchi-ridion von Michael Blum, Leipzig um 1530 (DKL 1530°'), so eingeordnet. Zur Zeit von Heinrich Schütz wird sie besonders in Betgottesdiensten verwendet, die abwechselnd mit der Vesper stattfanden und später ganz an ihre Stelle traten. Eine andere Gruppe bilden die beiden Tischgesänge, das Benedicite und das Gratias. Sie waren vermutlich dazu bestimmt, von den Kapellknaben vor und nach dem Essen gesungen zu werden. Doch können sie ebensowohl bei der Hoftafel von der Kantorei als Tischgebete gesungen worden sein. Der Hymnus Christe, fac ut sapiam ist als ein Gesang für Schüler und Studenten in der Anweisung ante Lectionem in Auditorio" deutlich gekennzeichnet. Die Nachdichtung des als Jubilus S. Bemhardi bezeichneten Hymnus Jesu, dulcis memoria von Johann Heermann, O süßer Jesu Christ, ist so umfangreich, daß Christoph Kittel in seiner Erinnerung" ausführlich darlegt, wie der Tonsatz gesungen werden soll bzw. kann. Er wurde bei der Austeilung des Abendmahls gesungen und konnte gekürzt werden, wenn sich nur wenige Kommunikanten einfanden. Trotz des verschiedenartigen Inhalts dieser Sammlung haben die darin stehenden Werke eines gemeinsam: es sind liturgische Stücke, die entweder in der Messe, der Vesper und den Betstunden, oder als Gebete bei Tische und vor dem Unterricht der Schüler ihren festen Platz haben. Ihre Texte und - soweit sie als Cantus firmus verwendet wurden - auch die Melodien stimmen mit den in Agende und Gesangbuch überlieferten Fassungen überein'. Die Frage, ob die Anwei-' In seiner Dissertation Der Gottesdienst am Kurfürstlichen Hofe zu Dresden hat Eberhard Schmidt dargestellt, wie nach dem Siege der strengen Lutheraner das von dem kryptokalvi-nistisch gesinnten Kanzler Nikolaus Krell eingeführte überkonfessionelle" Dresdener Gesangbuch von 1589/90 schon bald danach durch ein zweibändiges Gesangbuch (DKL 1593°^) ersetzt wurde, das Kirchenlieder und Melodien enthielt, ^wie solche in der ChurfUrstlichen Sächsischen Schloßkirchen zu Dresden gesungen werden". Auch die im 17. Jahrhundert erschienenen Dresdener Gesangbücher bis 1676 enthalten den Kernbestand an Liedern in Text und Weise imVI