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JOACHIM BÜCHNER
Georges Braque
Georges Braque, der mit einem gewissen Recht der französischste aller französischen Maler des 20. Jahrhunderts genannt werden darf, wurde am 13. Mai 1882 in Argenteuil-sur-Seine geboren. Argenteuil, heute ein Industrievorort von Paris, war damals noch ein idyllisches Dorf vor den Toren der Stadt am Steilufer der Seine. Der Vater und der Großvater Braques betrieben hier ein Malergeschäfl und widmeten sich in der Freizeit mit viel Talent der Landschaßsmalerei. Als Braque acht Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Le Havre m die Normandie.
Mit siebzehn Jahren verläßt Braque das Gymnasium und tritt eine Lehre als Dekorationsmaler an. Nebenher besucht er Abendkurse an der Kunstschule. Um seine Ausbildung mit dem Diplom als Dekorationsmaler abzuschließen, geht er 1900 nach Paris. Er wohnt am Montmartre und bildet sich künstlerisch an der Abendschule der Battignolles weiter. Nach Absolvierung des einjährigen Militärdienstes kehrt Braque 1902 auf den Montmartre zurück, ausgestattet mit einem "Wechsel seines Vaters, der ihm die Ausbildung als Maler erlaubt. Braque studiert nun an der Académie Humbert, wo er mit Marie Laurencin und Francis Picabia zusammentrifft. Die Ferien in der Bretagne 1904 geben ihm die Gewißheit, daß das Stadium der Ausbildung abgeschlossen sei. Zurückgekehrt nach Paris, mietet er sich ein Atelier auf dem Montmartre und beginnt als freier Maler zu arbeiten.
Der Lebensweg Georges Braques bis zu diesem Zeitpunkt erscheint erstaunlich konventionell: die wohlhabende Familie, die handwerkliche Ausbildung als Dekorationsmaler und das Studium an der Akademie. So aber konnte er sich Schritt für Schritt die notwendigen Grundlagen schaffen und den Anschluß an die traditionelle Malerei finden. Noch ist die zupak-kende Handschrifl des großen Künstlers kaum zu ahnen. Doch schon die nâésten Jahre bringen den entscheidenden Umbruch.
Während des Sommeraufenthaltes 190Í in Honjleur und L Havre entwickelt Braque eme zunehmend kräfiigere Färb' ^ keit. Vor allem aber die denkwürdige Ausstellung der Grupl' der 'Fauves^ im Herbstsalon 1905 beeindruckt ihn durch die ungebrochene Explosivität der Farben. Ober seine Freunde aus Le Havre, Raoul Dufy und Othon Friesz, stößt er z« ?f Gruppe der "Fauves" um Matisse. Im März 1906 stellt er zum erstenmal sieben Landschaften und Stilleben im Salon der Unabhängigen aus. Er hat diese Bilder später wieder zerstört! Der Sommer 1906, als er gemeinsam mit Friesz in Antwerpen arbeitet, bringt die endgültige Befreiung; seine ersten Fauves-Bilder entstehen, in denen er Motive des belebten Hafens in farbigen Chiffren einfängt. Im Herbst desselben Jahres reist er erstmals in den Süden, nach L'Estaque, dem bekannten Maler ort am Mittelmeer, dem schon Renoir und Cézanne so viel verdankten. 1907 arbeitet er in La Ciotat, wo er seine reifsten Fauves-Bilder schaß.
Die große Cézanne-Ausstellung im Pariser Herbstsalon 1907 wird Georges Braque zur Offenbarung. Schon im folgenden Jahre (1908) malt er unter dem Eindruck von Cézanne in L'Estaque die ersten kubistischen Bilder. Kahnweiler veranstaltet im November des gleichen Jahres in seiner Galerie die erste Georges Braque gewidmete Sonderausstellung. In dieser Zeit beginnt die enge Zusammenarbeit mit Picasso, die bis zum Ende der kubistischen Periode oder bis zum Ausbruó des ersten Weltkrieges unvermindert anhält. Der erste Weltkrieg — Braque wird einberufen, zweimal im Heeresbericht lobend erwähnt und schließlidj schwer verwundet ~ unterbricht die großartige AufbruÖJszeit nach der Jahrhundertwende. Braque arbeitet wieder in Paris. Er wendet sió nun mehr und mehr dem Stilleben zu, das er in der Folge zu immer neuen Höhepunkten führt. Sein neuer Händler, Léonce Rosenberg, veranstaltet 1919 eine große Ausstellung. 1922 übersiedelt Braque vom Montmartre auf den Montparnasse. In den folgenden Jahren ist er mit verschiedenen Dekorationen für Balletts, besonders für das russische Ballett Diaghilews, beschäftigt. Im Mai 1924 findet die erste Ausstellung in derGalerie von Paul Rosenberg statt, der ihn nun vertritt. 1925 bezieht Braque das für ihn erbaute Haus beim Park Montsouris. 1930 läßt er sich ein Ferienhaus in Varengeville bei Dieppe erbauen, wo er sich künftig regelmäßig aufhält. In Varengeville wendet sich Braque wieder der Landschaft zu und schafft die Serie der >'Seestückei'. Neben der Malerei werden ihm in diesen Jahren graphische Arbeiten immer wichtiger. In den Radierungen zur »Theogonie* von Hesiod greift er in großartigen Entwürfen die Thematik der antiken Mythologie auf. 1933 veranstaltet die Kunsthalle Basel eine erste umfassende Gesamtausstellung. 1937 wird ihm auf dem internationalen Carnegie-Wettbewerb in Pittsburgh der erste Preis verliehen.
Während der Besetzung Frankreichs im zweiten Weltkrieg flüchtet Braque zunächst in die Pyrenäen, kehrt aber baldnaé Paris zurück. 1944 kann er wieder nach Varengeville. In den Nachkriegsjahren schaß der Maler neben den Reihen der großen Bilder, den Billards, Ateliers, Interieurs und Terrassen, ein umfangreiches druckgraphisches Werk. Seit 1947 wird er von der Galerie Maeght vertreten. Anläßlich der Biennale in Venedig erhält er 1948 den Großen Internationalen Prets fur Malerei. Zahlreiche Ausstellungen in aller Welt sind fortan seinem Schaffen gewidmet. 1952-1953 wird ihm der ehrenvolle Auftrag zuteil, drei große Deckengemälde im Saal Heinrichs II. im Louvre auszuführen. 1953-1954 séaffl Fenster für die Dorfkirche von Varengeville. Im Alter von 81 Jahren, am 31. August 1963, stirbt Georges Braque m se -ner Pariser Wohnung.